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Albanien

Albanien im Zweiten Weltkrieg: Besatzung, Widerstand und Befreiung

Am 7. April 1939 besetzte Italien Albanien, 1943 folgte Deutschland. Wie sich der Widerstand spaltete und wie das Land Ende November 1944 unter kommunistischer Führung befreit wurde.

19 Min. Lesezeit
Verschneiter Gebirgspass in Albanien im Morgengrauen mit Feldweg, Steinhütte mit Rauch und nebligen Gipfeln

Der Zweite Weltkrieg erreichte Albanien früher als die meisten Länder Europas: Am 7. April 1939 besetzte das faschistische Italien das Land. Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 trat das nationalsozialistische Deutschland an seine Stelle. Der Widerstand zerfiel in ein kommunistisches und ein nationalistisches Lager. Ende November 1944 war das Land befreit, und die Macht ging an die Kommunisten über.

Dies ist das sechste Kapitel unseres Leitfadens zur Geschichte Albaniens. Es umfasst die Zeit von der italienischen Invasion bis zur Befreiung 1944.

Die italienische Invasion 1939

Am 7. April 1939 landeten italienische Truppen unter General Alfredo Guzzoni gleichzeitig in Durrës, Vlora, Shëngjin und Saranda. Einen Tag später marschierten sie in Tirana ein. König Zogu floh nach Griechenland, und Albanien verlor für Jahre seine Unabhängigkeit.

In Durrës leistete der Marineunteroffizier Mujo Ulqinaku Widerstand. Er fiel durch eine Granate, die ein italienisches Schiff abgefeuert hatte. Zogu verließ das Land mit Königin Geraldine und seinem Sohn Leka und nahm einen Teil des Goldes der Nationalbank mit. Am 12. April beschloss eine Versammlung in Tirana eine Personalunion mit Italien und bot König Viktor Emanuel III. die Krone an. An die Spitze der Kollaborationsregierung trat Shefqet Vërlaci, der größte Grundbesitzer des Landes.

Gerade in Durrës wurde am erbittertsten gekämpft: Die Gendarmerie unter Major Abaz Kupi schlug die Italiener mehrmals zurück. Doch die Kräfte waren zu ungleich, und am 8. April 1939 standen die italienischen Truppen bereits in der Hauptstadt.

Faktisch wurde Albanien zu einer italienischen Provinz. Alle Schaltstellen der Macht lagen in italienischer Hand, und die Besatzer wollten das gesamte Leben im Land nach faschistischem Muster ausrichten, auch die Schule. Als Italien im Oktober 1940 Griechenland angriff, „erklärte“ auch Albanien Griechenland den Krieg. Die in die italienische Armee eingezogenen Albaner desertierten jedoch in großer Zahl.

Eine wirksame internationale Reaktion auf die Besetzung Albaniens blieb aus: Über diplomatische Proteste ging man nicht hinaus.

Mussolinis Ultimatum

Der Invasion ging diplomatischer Druck voraus. Den Plan zur Eroberung Albaniens hatte der italienische Außenminister Ciano bereits 1938 ausgearbeitet, Anfang 1939 billigte ihn Mussolini.

Am 25. März 1939 übergab Italien Zogu einen von Ciano verfassten Vertragsentwurf mit 8 Punkten. Er schränkte die Souveränität Albaniens ein, und Regierung und Parlament des Landes lehnten ihn ab.

Daraufhin stellte Mussolini Zogu am 2. April 1939 ein Ultimatum mit 4 Punkten. Nach außen wirkte es milder, verlangte im Kern aber dasselbe. Die Frist lief am 6. April ab, und für den Fall einer Ablehnung drohte Italien mit der Landung von Truppen. Am Tag nach Ablauf der Frist begann die Invasion.

Konstituierende Versammlung und Personalunion

Unmittelbar nach der Besetzung wurde in Tirana unter Cianos Aufsicht ein Provisorisches Verwaltungskomitee unter Xhafer Ypi gebildet. Am 12. April 1939 trat eine Konstituierende Versammlung mit 159 Mitgliedern zusammen.

Die Versammlung setzte Zogu ab, hob die Verfassung des Königreichs von 1928 auf und stimmte für eine Personalunion mit Italien. Die Krone Albaniens ging an Viktor Emanuel III. über, die königliche Gewalt übte in seinem Namen der Generalstatthalter Francesco Jacomoni aus, zuvor italienischer Gesandter in Albanien.

Im Juni 1939 erschien das Grundstatut, das als Staatsform eine konstitutionelle Monarchie festlegte. Amtssprache blieb laut Statut das Albanische, doch Italienisch wurde zweite Sprache in Verwaltung und Schulen.

Wie Italien Albanien regierte

Äußerlich behielt Albanien die Merkmale eines Staates, doch alle wichtigen Entscheidungen fielen in Rom:

  • das albanische Außenministerium wurde aufgelöst und durch ein Unterstaatssekretariat beim italienischen Außenministerium ersetzt;

  • die albanische Gendarmerie und Armee wurden in die italienischen eingegliedert;

  • höchstes gesetzgebendes Organ wurde der Oberste Faschistische Korporative Rat;

  • die Nationalflagge blieb erhalten, erhielt aber die Liktorenbündel, das Symbol des Faschismus;

  • es wurde eine Faschistische Partei Albaniens gegründet, der Beamte, Lehrer und Schüler beitreten mussten.

Die Besatzer propagierten zudem die Idee eines „ethnischen Albaniens“ und versprachen, die albanischen Gebiete auf dem Balkan zu vereinen.

Widerstand: Kommunisten und Nationalisten

Der Widerstand regte sich fast sofort: mit Demonstrationen, Flugblättern, Sabotage und bewaffneten Freischärlergruppen, den çeta („Trupps“). Bis 1942 bildeten sich zwei Hauptbewegungen heraus: die Nationale Befreiungsbewegung, in der die Kommunisten zunehmend den Ton angaben, und der nationalistische Balli Kombëtar.

Die einzelnen Lager starteten unter ungleichen Voraussetzungen. Den Anhängern Zogus schadete, dass der König den Widerstand nicht selbst anführte. Die Nationalisten waren schlecht organisiert. Die Kommunisten dagegen schlossen sich nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR 1941 rasch zusammen. Ebenfalls 1941 verübte der junge Antifaschist Vasil Laçi in Tirana ein Attentat auf Viktor Emanuel III., der die Stadt besuchte.

Schülerproteste und die ersten Çeta

Als Erste reagierte die Schuljugend auf die Besatzung, unterstützt von ihren Lehrern. In den Jahren 1939–1940 verwandelten Schüler und Lehrer des Gymnasiums von Tirana, des Mädcheninstituts „Nëna Mbretëreshë“ und des Französischen Lyzeums in Korça die offiziellen Kundgebungen zum 28. November in Proteste gegen die Italiener.

Die Besatzer antworteten mit Repressionen: Teilnehmer der Demonstrationen wurden von der Schule verwiesen, Lehrer entlassen, und einige Lehrer und Schüler wurden in Italien interniert.

Im November 1941 fand in Korça eine Studentendemonstration mit der Nationalflagge statt. Bei den Zusammenstößen kam Koçi Bako ums Leben, es gab auch Verletzte.

Das Attentat von Vasil Laçi ereignete sich am 17. Mai 1941: Der junge Mann schoss auf König Viktor Emanuel III. während dessen Besuch in Albanien.

1941 entstanden die ersten bewaffneten Çeta, in Tirana, Skrapar, Dibra, Martanesh, Korça und anderen Orten. Auch die Briten hatten einen eigenen Plan, gegen die Italiener vorzugehen: Albanische Emigranten in Belgrad, Abaz Kupi, Mustafa Gjinishi und die Brüder Kryeziu, waren an einem britischen Plan für einen bewaffneten Aufstand im Norden beteiligt.

1942 begann die Aufstellung von Partisanen-Çeta. Ihre Kommandeure waren überwiegend Nichtkommunisten, die Kommissare nach sowjetischem Vorbild ernannte dagegen die Kommunistische Partei.

Die Kommunistische Partei und Peza

Im November 1941 wurde in Tirana die Kommunistische Partei Albaniens gegründet. Sie zählte etwa 130 Mitglieder, an ihrer Spitze stand Enver Hoxha. Als Ziele nannte sie die Befreiung des Landes, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit und eine demokratische Ordnung. Erreichen wollte sie das mit einer antifaschistischen Front und einem bewaffneten Aufstand.

Die Gründungsversammlung der Partei fand vom 8. bis 14. November 1941 statt. Ausgerichtet wurde sie von drei kommunistischen Gruppen: der Gruppe von Korça, der Gruppe von Shkodra und der Gruppe „Jugend“. Anwesend waren auch zwei Vertreter der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, Dušan Mugoša und Miladin Popović. Die Versammlung wählte ein provisorisches Zentralkomitee mit 7 Mitgliedern. Enver Hoxha vertrat die Gruppe von Korça. Zum Generalsekretär wurde er erst später gewählt, auf der Ersten Konferenz der Partei im März 1943, und er führte die Partei bis zu seinem Tod 1985.

Am 16. September 1942 fand im Haus von Myslym Peza die Konferenz von Peza statt. Dort entstand die Nationale Befreiungsbewegung mit einem Netz nationaler Befreiungsräte, die in den befreiten Gebieten zu Organen der Macht wurden. An der Konferenz nahmen neben den Kommunisten auch Nationalisten teil: Abaz Kupi, Myslym Peza und Baba Faja Martaneshi. Vom 17. bis 22. März 1943 tagte in Labinot die Erste Landeskonferenz der Kommunistischen Partei. Im Juli wurde der Generalstab der Nationalen Befreiungsarmee gebildet. Oberbefehlshaber wurde Spiro Moisiu, Politkommissar Enver Hoxha.

Auf diese Räte stützte sich die Antifaschistische Nationale Befreiungsfront: In den befreiten Gebieten traten sie an die Stelle der bisherigen Verwaltung. Die Nationale Befreiungsarmee selbst wurde am 10. Juli 1943 gegründet. Zu ihren ersten regulären Verbänden gehörte die 1. Stoßbrigade.

Balli Kombëtar. Den Balli Kombëtar („Nationale Front“) gründeten Midhat Frashëri und Ali Këlcyra im Herbst 1942. Sein Programm, der „Dekalog“, propagierte ein ethnisches, demokratisches Albanien. Die Bewegung vereinte Nationalisten mit überwiegend republikanischen und antikommunistischen Ansichten und wandte sich anfangs gegen die italienische Besatzung. Innerhalb der Bewegung gab es zwei Strömungen: Die einen wollten die Besatzer aktiv bekämpfen, die anderen auf den „richtigen Moment“ warten, also auf eine Landung der Alliierten auf dem Balkan.

Laut Schulbuch wurde der Balli im November 1942 gegründet. Geführt wurde die Bewegung von einem Komitee unter Midhat Frashëri. Die Organisation stand allen offen, außer den Kommunisten.

Anfangs arbeiteten beide Kräfte zusammen. Im Winter 1942–1943 führten die Nationale Befreiungsfront und der Balli gemeinsame Aktionen durch. Die größte davon war die Schlacht von Gjorm im Gebiet von Vlora Anfang Januar 1943.

Mukje: das gescheiterte Bündnis. Im August 1943 vereinbarten Vertreter der Nationalen Befreiungsbewegung und des Balli Kombëtar in Mukje, ein Komitee zur Rettung Albaniens zu bilden. Über die Kosovo-Frage sollte eine Volksabstimmung entscheiden. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei lehnte die Vereinbarung jedoch ab, wobei auch die jugoslawischen Kommunisten Einfluss nahmen, und die Spaltung vertiefte sich. Die Anhänger Zogus verließen die Nationale Befreiungsfront und gründeten unter Abaz Kupi die Bewegung Legaliteti. Unter den Albanern brach ein Bürgerkrieg aus.

In Mukje beschlossen die Seiten, sich für ein ethnisches, freies und demokratisches Albanien auf die Atlantik-Charta zu berufen. Endgültig aufgekündigt wurde die Vereinbarung auf der zweiten Konferenz von Labinot im September 1943.

Deutsche Besatzung 1943–1944

Am 8. September 1943 kapitulierte Italien, und das nationalsozialistische Deutschland besetzte Albanien. Ein Teil der deutschen Truppen war bereits im Juli ins Land gekommen, die Hauptmacht folgte im September 1943. Deutschland wollte das Machtvakuum nach dem Abzug der Italiener füllen, die Straßen kontrollieren und die Küste gegen eine mögliche Landung der Alliierten sichern.

Die Deutschen versprachen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten einzumischen, und stützten sich auf eine albanische Verwaltung. Als Staatsoberhaupt fungierte ein Hoher Regentschaftsrat unter Mehdi Frashëri. Zu den führenden Köpfen gehörte Rexhep Mitrovica. Die Besatzer spielten mit der Idee eines „Großalbaniens“ und betonten, ihre Anwesenheit sei nur „vorübergehend“ und die unter ihrem Schutz ausgerufene „Unabhängigkeit“ echt. Die Souveränität des Landes blieb jedoch begrenzt.

Das Regime war brutal. Am 4. Februar 1944 töteten Polizeieinheiten des Innenministers Xhafer Deva in Tirana mehrere Dutzend Einwohner, die verdächtigt wurden, Antifaschisten zu sein. Im Winter 1943–1944 führten deutsche Truppen die sogenannte Winteroperation durch, die die Partisanen vernichten sollte, und überzogen dabei die Zivilbevölkerung mit Terror. Die Partisanen überlebten und gingen zur Gegenoffensive über. Im Mai und Juni 1944 folgte die Juni-Operation, bei der deutsche Truppen gemeinsam mit der Gendarmerie und Einheiten des Balli gegen die Partisanen vorgingen. Die ganze Zeit über waren britische Militärmissionen bei den Widerstandskräften im Einsatz.

Unabhängigkeit unter deutschem Schutz

Unter den Deutschen wurde ein Provisorisches Exekutivkomitee unter Ibrahim Biçaku gebildet.

Am 16. Oktober 1943 rief die Nationalversammlung die Unabhängigkeit und Neutralität Albaniens aus. Sie hob die Personalunion mit Italien und das italienische Statut vom Juni 1939 auf.

Dem Hohen Regentschaftsrat gehörten Mehdi Frashëri, der Priester Anton Harapi, Lef Nosi und Fuat Dibra an. Letzterer nahm seine Aufgaben nie wahr.

Der Bürgerkrieg

Der Zusammenstoß zwischen der Nationalen Befreiungsfront und dem Balli führte dazu, dass in Albanien parallel zum Befreiungskrieg ein Bürgerkrieg tobte.

Am 1. Oktober 1943 verschickte Enver Hoxha an die Bezirkskomitees der Partei einen Brief, in dem der Balli zum Kollaborateur erklärt wurde, den es zu bekämpfen gelte. Der Balli seinerseits beschloss auf seinem Kongress in Berat im Januar 1944, gegen die Kommunisten zu kämpfen.

Die Anhänger Zogus gaben ihrer Bewegung auf dem I. Kongress von Legaliteti am 21. November 1943 eine feste Form. Zogu wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt, faktischer Anführer blieb Abaz Kupi.

Im Sommer 1944 ging auch die Kollaborationsregierung selbst gegen die Partisanen vor: Im Juli organisierte Ministerpräsident Fiqri Dine zusammen mit Stammesführern aus dem Norden gemeinsame Operationen mit den Deutschen gegen die Nationale Befreiungsarmee.

Die Winteroperation

Die Winteroperation wurde zur härtesten Bewährungsprobe für die Partisanen. Die Nationale Befreiungsarmee erlitt Niederlagen, vor allem im Norden. Der Generalstab wurde zusammen mit der britischen Mission im Wald von Çermenika im Gebiet von Elbasan eingekesselt.

Gerettet wurde der Stab von der 1. Brigade unter Mehmet Shehu. Trotz des Terrors gegen die Zivilbevölkerung blieben die nationalen Befreiungskräfte erhalten und gingen zur Gegenoffensive über.

Die Rettung der Juden

Albanien ist eines der wenigen Länder Europas, in denen bei Kriegsende mehr Juden lebten als vor dem Krieg: Anfangs waren es etwa 200, am Ende etwa 1800, denn Albaner retteten auch Flüchtlinge aus anderen Ländern.

Schlichtes Zimmer in einem Steinhaus bei Nacht: eine Lampe, Brot und Tassen auf dem Tisch, eine angelehnte Tür zum Hof mit einem Olivenbaum
Warmes Lampenlicht in einem Steinhaus, ein Sinnbild für Zuflucht und Gastfreundschaft – dafür ist die albanische Tradition der Besa bekannt.

Während der deutschen Besatzung weigerten sich Albaner, den Deutschen Listen der Juden auszuhändigen. Sie versteckten jüdische Familien und versorgten sie mit falschen Papieren. Dieses Verhalten wird mit der besa („Ehrenwort“) in Verbindung gebracht, dem albanischen Ehrenkodex. Er verpflichtet dazu, ein gegebenes Wort zu halten und jeden zu schützen, der um Hilfe bittet.

Befreiung 1944: das Ende des Zweiten Weltkriegs in Albanien

Bis zum Herbst 1944 setzte sich die Nationale Befreiungsarmee durch. Im Mai schuf der Kongress von Përmet die Organe der neuen Macht, im Oktober entstand in Berat die Provisorische Regierung, und am 17. November wurde Tirana befreit. Als offizielles Datum der Befreiung ganz Albaniens gilt der 29. November 1944.

Im Frühjahr 1944 verlief der Krieg nicht mehr zugunsten Deutschlands. Zu den Plänen der britisch-amerikanischen Alliierten gehörte auch eine Landung auf dem Balkan über Albanien.

Der Kongress von Përmet trat am 24. Mai 1944 zusammen. Er schuf den Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrat als höchstes gesetzgebendes und ausführendes Organ sowie das Antifaschistische Komitee, das die Aufgaben einer provisorischen Regierung übernahm. An dessen Spitze stand Enver Hoxha, der zugleich zum Oberbefehlshaber der Armee gewählt wurde. Der Kongress verbot König Zogu die Rückkehr. Außerdem beschloss er, nach dem Krieg per Volksabstimmung über die Staatsform zu entscheiden, keine anderen Regierungen anzuerkennen und die früheren Verträge mit ausländischen Staaten zu überprüfen.

Der Kongress vereinte außerdem die militärische Führung: Enver Hoxha wurde zugleich Oberbefehlshaber und Politkommissar der Nationalen Befreiungsarmee. Die Nichtanerkennung galt für jede andere Regierung, im Land ebenso wie im Ausland.

Nach der Juni-Operation rückte die 1. Stoßdivision nach Norden vor, um gegen die Kräfte des Balli, der Zogu-Anhänger und anderer Nationalisten zu kämpfen. Im September 1944 begann die letzte Phase: die Befreiung der Städte. Im Oktober wurde das Antifaschistische Komitee in Berat in die Provisorische Demokratische Regierung unter Enver Hoxha umgewandelt. Eine Versammlung verabschiedete dort die „Erklärung der Bürgerrechte“, die Rede-, Presse- und Wahlfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festschrieb.

Im September 1944 erhielt die deutsche Armee den Befehl, den Balkan zu räumen, und erklärte Albanien zum Operationsgebiet.

Tirana wurde am 17. November 1944 nach fast dreiwöchigen Kämpfen befreit, bei denen auch die Einwohner der Stadt mithalfen. Mit der Befreiung von Shkodra am 29. November endete der Krieg in Albanien. Dieser Tag wird als Tag der Befreiung gefeiert. Laut Schulbuch standen die Albaner 15 feindlichen Divisionen gegenüber, und die Bevölkerung des Landes erlitt sehr schwere menschliche und materielle Verluste.

Die Kämpfe um die Hauptstadt dauerten seit Ende Oktober an. Am 28. November 1944 zog die Provisorische Regierung in Tirana ein. Enver Hoxha versprach als Ministerpräsident Wahlen zu einer Konstituierenden Versammlung. Doch unmittelbar nach der Befreiung Tiranas begannen Kräfte unter dem Kommando von Mehmet Shehu mit Verhaftungen und Erschießungen.

Die Bilanz des Krieges

Der Krieg hatte für Albanien zwei gegensätzliche Ergebnisse. Das positive: Das Land gewann Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität zurück. Der albanische Widerstand wurde von den Alliierten offiziell anerkannt, und Albanien stand auf der Seite der Sieger.

Albanien bestätigte seine Grenzen von 1913, und auf der Pariser Friedenskonferenz wurden die griechischen Ansprüche auf den Süden des Landes zurückgewiesen.

Das negative Ergebnis war die Errichtung eines kommunistischen Regimes, das seine Gegner schon während des Krieges ausgeschaltet hatte. Dieses Regime regierte Albanien 46 Jahre lang. Die Beziehungen zu den USA und Großbritannien kühlten bald ab, und Albanien schloss sich dem kommunistischen Block an.

Der Preis des Krieges war sehr hoch. Laut einem Memorandum aus der Nachkriegszeit war ein erheblicher Teil der Städte und Dörfer vollständig zerstört.

Kosovo und Çamëria im Krieg

Vor dem Krieg lebten die Albaner in Kosovo und in der Çamëria unter dem Druck der jugoslawischen und der griechischen Monarchie. Der Krieg verschob die Grenzen vorübergehend: 1941 wurde der größte Teil Kosovos unter italienischer Kontrolle an Albanien angeschlossen, und dort wurden Hunderte albanischer Schulen eröffnet.

Der Druck war nicht nur politischer Natur: Die Albaner dieser Gebiete waren ethnischer Verfolgung ausgesetzt. Im April 1941 teilten Italien, Deutschland und Bulgarien Kosovo und andere albanische Gebiete unter sich auf. In der italienischen Zone wurde Albanisch Amtssprache, und die Verwaltung bestand aus albanischen Beamten.

Im September 1943, bereits unter deutscher Besatzung, wurde die Zweite Liga von Prizren gegründet, um die vereinten albanischen Gebiete zu erhalten. Zum Vorsitzenden wurde Bedri Pejani ernannt. Die antifaschistische Bewegung in Kosovo stand unter dem Einfluss der Kommunistischen Partei Jugoslawiens. Gegen die Albaner gingen zudem serbische Tschetniks vor. Die Konferenz von Bujan (31. Dezember 1943 bis 2. Januar 1944) bekundete unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht den Wunsch der Kosovo-Albaner, sich nach dem Krieg mit Albanien zu vereinigen. Dazu kam es nicht. Kosovo blieb als Provinz Serbiens Teil Jugoslawiens, und der Widerstand der Albaner wurde unter Kriegsrecht niedergeschlagen.

Die Zweite Liga von Prizren wurde am 16. September 1943 gegründet.

Im Süden vertrieben griechische Einheiten der EDES unter General Napoleon Zervas zwischen Juni 1944 und März 1945 die Çamen aus Griechenland. Am 27. Juni 1944 kam es zum Massaker von Paramythia.

Das Schicksal der Çamëria verlief in den Kriegsjahren anders als das Kosovos. Nach der Besetzung Griechenlands kam Thesprotien (die Çamëria) unter italienische Kontrolle, doch die Deutschen verhinderten ihren Anschluss an Albanien. Die vertriebene çamische Bevölkerung fand Zuflucht in Albanien. Die Flüchtlinge wandten sich mit Beschwerden an internationale Organisationen und an die griechische Regierung, doch ihre Beschwerden blieben unbeantwortet.

Chronologie 1939–1944

DatumEreignis
25. März 1939Italien übergibt Zogu einen Vertragsentwurf mit 8 Punkten
2. April 1939Mussolinis Ultimatum mit 4 Punkten
7. April 1939Italienische Invasion, Landung in Durrës, Vlora, Shëngjin und Saranda
8. April 1939Italienische Truppen marschieren in Tirana ein
12. April 1939Die Konstituierende Versammlung ruft die Personalunion mit Italien aus
Juni 1939Grundstatut: konstitutionelle Monarchie
Oktober 1940Italienischer Angriff auf Griechenland, „Kriegserklärung“ im Namen Albaniens
April 1941Aufteilung Kosovos und anderer albanischer Gebiete zwischen Italien, Deutschland und Bulgarien
17. Mai 1941Attentat von Vasil Laçi auf Viktor Emanuel III.
8.–14. November 1941Gründungsversammlung der Kommunistischen Partei Albaniens
16. September 1942Konferenz von Peza
November 1942Gründung des Balli Kombëtar (laut Schulbuch)
Januar 1943Schlacht von Gjorm, gemeinsame Aktion der Nationalen Befreiungsfront und des Balli
17.–22. März 1943Erste Konferenz der Kommunistischen Partei in Labinot
10. Juli 1943Gründung der Nationalen Befreiungsarmee
August 1943Vereinbarung von Mukje
8. September 1943Kapitulation Italiens, Beginn der deutschen Besatzung
16. September 1943Gründung der Zweiten Liga von Prizren
September 1943Aufkündigung der Vereinbarung von Mukje in Labinot
16. Oktober 1943Die Nationalversammlung ruft Unabhängigkeit und Neutralität aus
21. November 1943I. Kongress von Legaliteti
31. Dezember 1943 bis 2. Januar 1944Konferenz von Bujan
Winter 1943–1944Winteroperation
4. Februar 1944Erschießungen in Tirana
24. Mai 1944Kongress von Përmet
Mai–Juni 1944Juni-Operation
27. Juni 1944Massaker von Paramythia
Oktober 1944Provisorische Demokratische Regierung in Berat
17. November 1944Befreiung Tiranas
28. November 1944Die Provisorische Regierung zieht in Tirana ein
29. November 1944Befreiung von Shkodra, Tag der Befreiung

Diese Daten umfassen den gesamten Zeitraum von der italienischen Invasion bis zur Befreiung des Landes. Die wichtigsten davon sind in der Übersicht unten zusammengefasst.

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Häufige Fragen

Wann besetzte Italien Albanien?

Am 7. April 1939, also fünf Monate vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa. Italienische Truppen landeten gleichzeitig in Durrës, Vlora, Shëngjin und Saranda. Am 8. April marschierten sie in Tirana ein, und König Zogu floh nach Griechenland.

Was war der Balli Kombëtar?

Der Balli Kombëtar war eine nationalistische Bewegung, die Midhat Frashëri und Ali Këlcyra im Herbst 1942 gründeten. Sein Programm, der „Dekalog“, propagierte ein ethnisches, demokratisches Albanien. Der Versuch, sich im August 1943 in Mukje mit den Kommunisten zu verbünden, scheiterte.

Wie retteten Albaner Juden?

Sie weigerten sich, den Deutschen Listen der Juden auszuhändigen, versteckten Familien und besorgten ihnen falsche Papiere. Bei Kriegsende lebten in Albanien etwa 1800 Juden, vor dem Krieg waren es rund 200 gewesen. Das wird mit der besa („Ehrenwort“) in Verbindung gebracht, einem Ehrenkodex, der dazu verpflichtet, ein gegebenes Wort zu halten.

Wann wurde Albanien befreit?

Tirana wurde am 17. November 1944 befreit. Als offizielles Datum der Befreiung des ganzen Landes gilt der 29. November 1944, der Tag, an dem Shkodra befreit wurde. Er wird in Albanien als Tag der Befreiung gefeiert.

Was beschloss der Kongress von Përmet?

Der Kongress trat am 24. Mai 1944 zusammen. Er schuf den Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrat und das Antifaschistische Komitee, das unter Enver Hoxha die Aufgaben einer provisorischen Regierung übernahm. Außerdem verbot er König Zogu die Rückkehr und überließ die Entscheidung über die Staatsform einer Volksabstimmung nach dem Krieg.

Wann wurde die Kommunistische Partei Albaniens gegründet?

Auf der Gründungsversammlung in Tirana vom 8. bis 14. November 1941, zu der Vertreter der Gruppen von Korça und Shkodra sowie der Jugendgruppe kamen. Die Partei zählte etwa 130 Mitglieder, ihr Anführer wurde Enver Hoxha.

Wer war Abaz Kupi?

Ein Major der Gendarmerie, der im April 1939 die Verteidigung von Durrës leitete. Er nahm an der Konferenz von Peza teil und übernahm nach dem Scheitern der Vereinbarung von Mukje die Führung der Zogu-Anhänger in der Bewegung Legaliteti.

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Quellen

  1. Britannica: Albania — History
  2. Wikipedia: Italian invasion of Albania
  3. Wikipedia: German occupation of Albania
  4. Wikipedia: History of the Jews in Albania
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