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Albanien

Unabhängigkeit Albaniens: Die Nationale Wiedergeburt bis 1912

Die albanische Nationalbewegung Rilindja kämpfte ab den 1830er-Jahren für eigene Sprache, Schulen und einen eigenen Staat – von der Liga von Prizren bis zur Unabhängigkeit am 28. November 1912.

23 Min. Lesezeit
Weiße Steinhäuser mit Fensterreihen am Hang über einem Fluss im Morgennebel, im Hintergrund Berge

Rilindja Kombëtare („Nationale Wiedergeburt“) heißt die albanische Bewegung, die von den 1830er-Jahren bis 1912 für eine eigene Sprache, eigene Schulen und einen eigenen Staat kämpfte. Ihr Weg führte von den ersten Fibeln und den Aufständen gegen die osmanischen Reformen über die Liga von Prizren und ein einheitliches Alphabet bis zur Unabhängigkeit Albaniens, die am 28. November 1912 in Vlora ausgerufen wurde.

Dies ist das vierte Kapitel unseres Leitfadens zur Geschichte Albaniens. Es spannt den Bogen vom Tanzimat bis zur Geburt des unabhängigen Staates.

Was war die Nationale Wiedergeburt?

Die Wiedergeburt umfasst die Zeit von den 1830er-Jahren bis 1912. Ihre Vertreter wollten die Albaner von der osmanischen Herrschaft befreien, die albanischen Gebiete in einem Nationalstaat vereinen und die albanische Sprache und Schule fördern.

Die Bewegung setzte auf zwei Mittel, die man in Albanien „Feder“ und „Gewehr“ nennt. Mit der „Feder“ sind Fibeln, Bücher, Zeitungen und Schulen gemeint, mit dem „Gewehr“ der bewaffnete Widerstand. Das politische Programm ruhte auf zwei Grundgedanken: der Autonomie Albaniens und dem Schutz seiner territorialen Einheit. Inspiration fanden die Vertreter der Wiedergeburt in der ruhmreichen Vergangenheit der Skanderbeg-Zeit und in den Ideen der französischen Aufklärung.

Zu den Leistungen der „Feder“ zählten vor allem die Fibeln und Schulen von Veqilharxhi, Kristoforidhi und der Istanbuler Gesellschaft. Für das „Gewehr“ standen die Aufstände gegen das Tanzimat, der bewaffnete Kampf der Liga von Prizren und die Aufstände von 1910 bis 1912. Beide Wege führten zum selben Ziel und trafen 1912 in Vlora zusammen.

Die albanische Frage

Die zentrale Aufgabe der Epoche bezeichnet das Lehrbuch als albanische Frage. Gemeint sind damit die Unabhängigkeit der albanischen Gebiete vom Osmanischen Reich und die Gründung eines Nationalstaates in ethnischen Grenzen.

Für das 19. Jahrhundert war das ein sehr kühnes Ziel. Die osmanischen Behörden erkannten die Albaner nicht als eigene Nation an, und die Nachbarstaaten erhoben Anspruch auf Teile der albanisch besiedelten Gebiete. Deshalb begannen die Vertreter der Wiedergeburt meist mit einer gemäßigten Forderung, der Autonomie innerhalb des Reiches. Dahinter stand jedoch stets der Schutz der Einheit der albanischen Gebiete.

Die Befreiung von der osmanischen Herrschaft, die Vereinigung der Gebiete und die Förderung von Muttersprache und Schule waren drei Seiten derselben Aufgabe: Ohne eigene Schule und Schriftsprache ließen sich die Albaner kaum als Nation anerkennen, und ohne Anerkennung als Nation konnte es auch keinen eigenen Staat geben.

Tanzimat und die Aufstände der 1830er- und 1840er-Jahre

Das Osmanische Reich versuchte im 19. Jahrhundert, sich zu modernisieren. Für die Albaner bedeuteten die Reformen jedoch neue Steuern, Wehrpflicht und ein Verbot von Schulen in der Muttersprache. Darauf antworteten sie mit einer Reihe von Aufständen.

Schon vor den Reformen, im Jahr 1830, wurden in Monastir rund 500 albanische Anführer in einen Hinterhalt gelockt und getötet. In den Jahren 1833–1835 erhoben sich zwei Regionen gegen die osmanischen Neuerungen: im Süden Berat unter der Führung von Tafil Buzi, im Norden Shkodra unter Hamza Kazazi.

Tanzimat. Die Reformen begannen 1839. Sie zentralisierten die Verwaltung und führten die allgemeine Wehrpflicht (nizam) sowie neue Steuern ein. Die Bevölkerung des Reiches wurde ausschließlich nach Religionszugehörigkeit eingeteilt. Deshalb galten die Albaner nicht als eigene Nation, und albanische Schulen durften nicht eröffnet werden.

Der Widerstand ging weiter:

  • 1843–1844: Aufstand von Dervish Cara in Skopje. Die Aufständischen befreiten zeitweise Gostivar, Tetovo und Skopje.

  • Juni 1847: Eine Versammlung in Mesaplik lehnte Wehrpflicht und Steuern ab und erklärte muslimische und christliche Albaner zu einem Volk. Im selben Jahr entstand im Süden der Bund „Albanische Nationalliga“ unter Zenel Gjoleka. Den Aufstand führten Gjoleka und Rapo Hekali an.

  • 1861: Oso Kuka verteidigte albanische Gebiete gegen die Angriffe montenegrinischer Truppen.

Die Aufstände der 1840er-Jahre zeigten, dass die Albaner bereit waren, unabhängig von ihrer Religion gemeinsam zu handeln. Die Versammlung von Mesaplik erklärte Muslime und Christen ausdrücklich zu einem Volk und stellte sich damit gegen die Grundlogik des Tanzimat, das die Untertanen nach Religion einteilte.

Die Reformen von 1856 und 1864

Das Tanzimat blieb nicht bei den ersten Erlassen stehen. Ein Erlass von 1856 stellte Nichtmuslime den Muslimen bei Steuern, Bildung, Rechtsprechung, Eigentum und der Vergabe von Ämtern gleich. Doch auch er erkannte die Albaner nicht als Nation an: Die Gleichheit bezog sich auf die Religion, nicht auf das Volk.

Die Verwaltungsreform von 1864, bekannt als „Wilajetsgesetz“, führte eine neue Gliederung der Provinzen ein. Sie bestand bis 1912, also bis zum Ende der osmanischen Herrschaft über die albanischen Gebiete.

Die Albaner waren auf vier Wilajets verteilt:

  • Shkodra;

  • Kosovo;

  • Monastir;

  • Ioannina.

Diese Aufteilung hinderte die Albaner daran, als geschlossenes Ganzes zu handeln. Deshalb wurde später die Vereinigung dieser Gebiete zu einem autonomen albanischen Wilajet zu einer der Hauptforderungen der Wiedergeburt.

Die Liga von Prizren (1878–1881)

Die Liga von Prizren ist das wichtigste politische Ereignis der Wiedergeburt. Sie wurde am 10. Juni 1878 gegründet, damit die albanisch besiedelten Gebiete nach dem Russisch-Türkischen Krieg nicht an die Nachbarn fielen. Drei Jahre lang verteidigte sie diese Gebiete diplomatisch und militärisch, bis die osmanische Armee sie niederschlug.

Altstadt mit Steinhäusern und einer Bogenbrücke über einen Fluss in einem Bergtal
Steinhäuser und Bogenbrücke über einen Fluss in einem Bergtal

Auslöser war der Vorfrieden von San Stefano vom 3. März 1878. Er sprach Serbien, Montenegro und Bulgarien Gebiete zu, in denen Albaner lebten. Bulgarien sollte sogar Korça, Pogradec und Bilisht erhalten. Bereits im Dezember 1877 hatte sich in Istanbul das Zentralkomitee zur Verteidigung der Rechte der albanischen Nation gebildet.

Die Liga selbst entstand als Antwort auf die Orientkrise von 1875–1878. Während die Großmächte und die Balkanstaaten das Erbe des schwächer werdenden Osmanischen Reiches unter sich aufteilten, mussten die Albaner zeigen, dass ihre Gebiete kein weißer Fleck auf der Landkarte waren.

Gründung und Programm

Zur Gründungsversammlung in Prizren kamen rund 80 Delegierte, den Vorsitz übernahm Iljaz Pascha Dibra (Çoku). Die Versammlung verabschiedete zwei Dokumente: die Kararname (Beschlussakte), die am 18. Juni von rund 47 Anführern unterzeichnet wurde, und die Talimat (Vorschrift). Ziel war es, die albanischen Gebiete „Fußbreit um Fußbreit“ zu verteidigen und ein autonomes albanisches Wilajet durchzusetzen.

Die Liga verfügte über einen Generalrat als gesetzgebendes und ein Zentralkomitee als ausführendes Organ. In den albanischen Gebieten gab es rund 40 Zweigstellen. Ihr wichtigster Vordenker war Abdyl Frashëri, der die südliche Zweigstelle in Gjirokastra leitete.

Die beiden Dokumente der Gründungsversammlung ergänzten einander. Die am 18. Juni 1878 unterzeichnete Kararname legte das Hauptziel fest, den Schutz der territorialen Einheit Albaniens. Die Talimat bestimmte, wie die Liga vorgehen sollte. Zusammen machten sie aus einer Versammlung von Anführern eine Organisation mit eigenem Programm und eigenen Organen.

Der Berliner Kongress und der Kampf um die Gebiete

Vom 13. Juni bis zum 13. Juli 1878 überarbeitete der Berliner Kongress den Vertrag von San Stefano. Die Liga schickte ihm ein Memorandum und forderte darin eine Lösung der albanischen Frage. Reichskanzler Bismarck lehnte es jedoch ab, sich damit zu befassen, mit der Begründung: „Eine albanische Nation gibt es nicht.“ Der Kongress sprach Montenegro Bar und Podgorica sowie Plav und Gusinje zu, Serbien erhielt Niš, Pirot und Vranje.

Plav und Gusinje verteidigte die Liga 1879–1880 mit Waffengewalt. Im Januar 1879 beschloss eine außerordentliche Versammlung in Preveza, keine Abtrennung albanischer Gebiete hinzunehmen. Abdyl Frashëri und Mehmet Ali Vrioni reisten daraufhin als Gesandte zu den Großmächten. Als Ersatz für Plav und Gusinje sprachen die Großmächte Montenegro die Stadt Ulcinj zu. Die Albaner verteidigten sie, doch im November 1880 schlugen osmanische Truppen den Widerstand nieder, und Ulcinj fiel an Montenegro. Osmanische Einheiten rückten am 23. November 1880 in die Stadt ein, am 26. November wurde sie Montenegro übergeben.

Im Süden erreichte die Liga mehr. Abdyl Frashëri und Abedin Bey Dino verteidigten die südalbanischen Gebiete gegen die Ansprüche Griechenlands, sodass Griechenland von Epirus lediglich den Bezirk Arta erhielt.

Die Forderung nach Autonomie

Neben der Verteidigung der Grenzen sprach die Liga immer nachdrücklicher von Autonomie. Eine Resolution vom 1. November 1878 forderte:

  • ein albanisches Wilajet zu schaffen;

  • dort albanische Beamte einzusetzen;

  • Unterricht in albanischer Sprache einzuführen;

  • eine Große Versammlung einzuberufen und einen Wilajetsrat einzurichten.

Nach und nach ging die Liga von der Verteidigung zum Aufbau einer eigenen Macht über. Auf der Versammlung von Gjirokastra am 23. Juli 1880 beschloss man, die Liga zur „Provisorischen Regierung“ zu erklären. Bald darauf setzte die Versammlung von Dibra diesen Kurs fort, und im Januar 1881 wurde der Beschluss in die Tat umgesetzt.

Provisorische Regierung und Niederlage. Im Oktober 1880 forderte die Versammlung von Dibra, die albanischen Gebiete in einem autonomen Wilajet zu vereinen. Im Januar 1881 besetzten Truppen der Liga unter Sulejman Vokshi Skopje und Prishtina, und die Liga rief eine Provisorische Regierung unter Ymer Prizreni aus. Im März rückte die osmanische Armee unter Dervish Pascha gegen sie vor, und am 23. April 1881 war die Liga zerschlagen. Ihr Werk führte die Liga von Peja fort, die im Januar 1899 unter der Führung von Haxhi Zeka gegründet wurde.

Die „Feder“: Fibeln, Schulen und Bücher

Während die einen kämpften, unterrichteten die anderen. Die Wiedergeburt brachte albanische Fibeln, ein Alphabet, die ersten weltlichen Schulen und eine Literatur hervor, die zur Einheit aufrief. Nach der Liga von Prizren wurde die kulturelle Bewegung weltlich, und politische Motive hielten Einzug in die Literatur.

Altes Klassenzimmer mit Holzbänken, Bücherstapeln, einer Schreibfeder und einem Tintenfass auf dem Tisch
Altes Klassenzimmer mit Schulbänken, Büchern, Feder und Tintenfass

Als erster Vordenker der Wiedergeburt gilt Naum Veqilharxhi, geboren 1797 in Vithkuq. Er entwarf ein eigenes Alphabet aus 33 Buchstaben und gab 1844–1845 die Fibel „Evetar“ heraus. Mit dieser Veröffentlichung lässt man die Wiedergeburt üblicherweise beginnen. Veqilharxhi schwebte eine Schule vor, die auf Albanisch unterrichtete, weltliche Inhalte vermittelte und allen offenstand. Kostandin Kristoforidhi übersetzte religiöse Texte in beide Dialekte und veröffentlichte 1867 Fibeln auf Gegisch und Toskisch. Koto Hoxhi brachte Kindern heimlich Albanisch und die Liebe zur Heimat bei.

Eine einheitliche Schrift hatten die ersten Aufklärer nicht. Veqilharxhi erfand ein eigenes Alphabet, Kristoforidhi verfasste getrennte Fibeln für den gegischen und den toskischen Dialekt. Die Frage, mit welchen Buchstaben man Albanisch schreiben sollte, blieb noch mehrere Jahrzehnte offen, bis zur Istanbuler Gesellschaft und zum Kongress von Monastir.

Die Istanbuler Gesellschaft und die ersten Schulen

Am 12. Oktober 1879 wurde in Istanbul die Gesellschaft für den Druck albanischer Schriften gegründet. Zu ihr gehörten Sami Frashëri, Jani Vreto, Pashko Vasa und Hasan Tahsini. Die Gesellschaft schuf das Istanbuler Alphabet (Frashëri-Alphabet) mit 36 Buchstaben auf lateinischer Grundlage. Es blieb fast 30 Jahre lang in Gebrauch.

Die Gesellschaft entstand auf dem Höhepunkt der Tätigkeit der Liga von Prizren. Während die Liga die Gebiete verteidigte, bereiteten ihre Mitglieder Fibeln und Bücher vor, ohne die keine albanische Schule eröffnet werden konnte. Das Istanbuler Alphabet wurde später eines der beiden Alphabete, die der Kongress von Monastir zuließ.

Mësonjëtorja. Am 7. März 1887 wurde in Korça die erste weltliche albanische Schule eröffnet, die Mësonjëtorja („Lernstätte“). Die Genehmigung des Sultans lag seit 1885 vor, das Geld kam von der Bukarester Gesellschaft Drita („Das Licht“), und erster Direktor wurde Pandeli Sotiri. 1902 ließ Sultan Abdülhamid II. die Schule schließen. Der Tag ihrer Eröffnung, der 7. März, wird in Albanien als Tag des Lehrers gefeiert.

1889 eröffnete der Lehrer Mati Logoreci eine albanische Schule in Prizren. 1891 gründeten Gjerasim Qiriazi und seine Schwester Sevasti in Korça die erste albanische Mädchenschule.

Bücher der Wiedergeburt

JahrAutor und Werk
1866Jeronim De Rada, „Rhapsodien eines arbëreshischen Gedichts“
um 1878–1880Pashko Vasa, Gedicht „O mein Albanien“ (O moj Shqypni)
1879Pashko Vasa, „Die Wahrheit über Albanien und die Albaner“ (Paris)
1886Naim Frashëri, Poem „Viehzucht und Ackerbau“
1899„Albanien: was es war, was es ist und was es werden wird“ (Bukarest, anonym; Sami Frashëri zugeschrieben)

Die Brüder Frashëri, Abdyl, Naim und Sami, wurden zu zentralen Gestalten der Wiedergeburt; Naim gilt als Nationaldichter. Die Schrift von 1899 wird als Manifest der Bewegung bezeichnet. Unter den Arbëreshë in Italien schrieben Jeronim De Rada, Dhimitër Kamarda und Zef Serembe über die Heimat.

Die Brüder spielten unterschiedliche Rollen. Abdyl war Politiker und wichtigster Vordenker der Liga von Prizren, Sami Mitglied der Istanbuler Gesellschaft und mutmaßlicher Verfasser des Manifests, Naim Dichter. Auch Pashko Vasa aus Shkodra verband Literatur und Politik: Sein Gedicht „O mein Albanien“ rief zur Einheit auf, und sein in Paris erschienenes Buch „Die Wahrheit über Albanien und die Albaner“ stellte die Albaner einem europäischen Publikum vor.

Frauen in der Wiedergeburt

An der Wiedergeburt beteiligten sich auch Frauen. Ihr wichtigstes Wirkungsfeld war die Schule: Die erste albanische Mädchenschule wurde 1891 in Korça unter der Leitung von Gjerasim Qiriazi und seiner Schwester Sevasti eröffnet. An dieser Schule unterrichteten Sevasti und Parashqevi Qiriazi.

Sevasti Qiriazi-Dako veröffentlichte eine „Elementargrammatik für Grundschulen“; das Buch erschien 1912 in Manastir.

In der albanischen Diaspora in Rumänien tat sich Dora d'Istria (Elena Ghica) hervor. Mit ihren Schriften trat sie für die albanische Sache ein.

Die Rolle der Diaspora

Einen großen Beitrag zur Wiedergeburt leisteten Albaner im Ausland. Die wichtigsten Gemeinschaften waren die Kolonien in Rumänien, Bulgarien und Ägypten sowie die Arbëreshë in Italien. Später kam die Diaspora in den USA hinzu.

Faik Konica gründete Ende der 1890er-Jahre in Brüssel die Zeitschrift Albania und gab sie anschließend bis 1909 in London heraus. 1909 wurde er Chefredakteur der Bostoner Zeitung Dielli („Die Sonne“). Am 28. April 1912 wurde in den USA die Panalbanische Föderation Vatra („Herd“) gegründet, deren Schlüsselfiguren Fan Noli und Faik Konica waren.

Die Kolonien im Ausland gaben der Wiedergeburt, was ihr in der Heimat fehlte: Geld, Druckereien und Pressefreiheit. Es war die Bukarester Gesellschaft Drita, die die Eröffnung der Mësonjëtorja finanzierte; in Bukarest erschien das Manifest von 1899, und in Rumänien schrieb Dora d'Istria. Konicas Zeitschrift erschien ab 1896–1897 in Brüssel.

Fan Noli und die Kirche

Fan Noli war nicht nur politisch tätig. Er setzte sich für die Nationalisierung der Albanischen Orthodoxen Kirche ein, also dafür, dass die orthodoxen Albaner eine eigene, albanische Kirche bekamen. Laut Lehrbuch wurden die Grundlagen dieser Arbeit 1908 gelegt; die endgültige Autokephalie der Kirche wurde später ausgerufen, erst nach der Unabhängigkeit.

Jungtürken und der Kongress von Monastir

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten die Albaner ihre Hoffnungen auf die Jungtürken, eine Bewegung für eine Verfassung im Osmanischen Reich. Zu den Gründern des ersten jungtürkischen Komitees im Jahr 1889, später bekannt als „Einheit und Fortschritt“, gehörte der Albaner İbrahim Temo aus Struga. Ab 1906 traten viele Albaner dem Komitee bei, weil sie sich Autonomie erhofften.

Am 23. Juli 1908 siegte die jungtürkische Revolution, und Sultan Abdülhamid II. setzte die Verfassung von 1876 wieder in Kraft. Für die Albaner begann damit eine kurze Zeit der Freiheit: Im September 1908 wurde in Thessaloniki der Albanische Klub unter Mid'hat Frashëri gegründet, einem Sohn von Abdyl Frashëri. Solche Klubs wurden zu Zentren des albanischen Kulturlebens.

Die Losung „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ versprach den Albanern Schulen und Kultur, und solange die Jungtürken noch um die Macht rangen, ging diese Rechnung teilweise auf. Wichtigstes Ergebnis war der Kongress von Monastir, der am 14. November 1908 eröffnet wurde. Ausgerichtet wurde er vom Klub Bashkimi („Einheit“). Den Vorsitz führte Mid'hat Frashëri, die Alphabetkommission leitete Gjergj Fishta. Der Kongress ließ zwei Alphabete zu: das Istanbuler und das lateinische „Bashkimi“-Alphabet. Auf das zweite geht das heutige albanische Alphabet zurück. Der 22. November wird als Tag des Alphabets begangen. Mehr über die Buchstaben und das Lesen findest du in unserem Bereich zum albanischen Alphabet.

Der Kongress befasste sich nicht nur mit den Buchstaben. Er legte dem osmanischen Parlament ein Programm mit 18 Punkten vor, das die Forderungen der Albaner enthielt.

Einmal an der Macht, hielten die Jungtürken ihre Versprechen nicht. Sie erhöhten die Steuern, stellten die albanischen Freischärlerverbände (çeta, „Schar“) außerhalb des Gesetzes, schlossen albanische Klubs und Schulen und versuchten, für das Albanische die arabische Schrift durchzusetzen. Der von den Jungtürken einberufene Kongress von Dibra (23. bis 29. Juli 1909) warb für das arabische Alphabet, doch die albanischen Delegierten lehnten es ab. Der Kongress von Elbasan (2. bis 8. September 1909) beschloss, eine Lehrerbildungsanstalt zu eröffnen und eine Gesellschaft zu gründen, die sich um Schulen und Lehrbücher kümmern sollte. Die Normalschule für Lehrer in Elbasan nahm im Dezember 1909 den Betrieb auf.

Der Kongress von Elbasan beschloss außerdem, Albanisch auf lateinischer Grundlage an allen Schulen einzuführen, und empfahl die Mundart von Elbasan als gemeinsame Schriftsprache. So lösten die Albaner die Frage von Alphabet und Schule binnen eines Jahres selbst, entgegen den Plänen der Jungtürken.

KongressZeitWichtigster Beschluss
MonastirNovember 1908zwei Alphabete, das Istanbuler und „Bashkimi“; Programm mit 18 Punkten
Dibra23. bis 29. Juli 1909Jungtürken warben für das arabische Alphabet, albanische Delegierte lehnten ab
Elbasan2. bis 8. September 1909Albanisch in lateinischer Schrift an allen Schulen, Mundart von Elbasan, Normalschule

Die Aufstände von 1910 bis 1912

Der Wortbruch der Jungtürken löste große Aufstände aus. Sie begannen 1910 im Kosovo, erfassten 1911 die Berge im Norden und weiteten sich 1912 zu einem allgemeinen Aufstand aus, der Istanbul zum Einlenken zwang.

1910. Im Kosovo-Aufstand kam es zu zwei Hauptschlachten. In der Kaçanik-Schlucht hielt Idriz Seferi mit etwa 3000 Kämpfern die Stellung, bei Carraleva kommandierte Isa Boletini. Die osmanische Armee stand unter dem Befehl von Shevket Turgut Pascha.

1911. Am 24. März erhob sich die gesamte Malësia e Madhe. Am 6. April schlugen die Bergbewohner unter Ded Gjo Luli die Osmanen bei Tuzi; mit diesem Sieg verbindet man das Hissen der Flagge auf dem Berg Deçiq. Am 23. Juni verfassten Ismail Qemali und Luigj Gurakuqi das Greça-Memorandum („Rotes Buch“). 22 Anführer der Bergstämme unterzeichneten es, und es wurde den Vertretern der Großmächte in Cetinje übergeben.

1912. An der Spitze des allgemeinen Aufstands standen Hasan Prishtina, Nexhip Draga, Bajram Curri und Riza Bey Gjakova. Bajram Curri rief das Bergland von Gjakova zum Aufstand auf, der danach auf Mittel- und Südalbanien sowie Dibra übergriff. Im August 1912 befreiten die Aufständischen Skopje. Am 9. August stellten sie 14 Forderungen auf, die „Punkte von Hasan Prishtina“. Am 4. September nahm die Regierung alle bis auf die letzte an. Hasan Prishtina (1873–1933) stammte aus Vushtrri. Zwischen 1908 und 1912 wurde er dreimal für das Wilajet Kosovo ins osmanische Parlament gewählt und setzte sich dort für die Rechte der Albaner ein.

Bilanz der Aufstände

In drei Jahren entwickelten sich die Aufstände von einer örtlichen Erhebung im Kosovo zu einer allgemeinen Bewegung. Verteidigten die Aufständischen 1910 noch Schluchten, so wandten sich die Bergbewohner der Malësia 1911 bereits mit einem Memorandum an die Großmächte, und 1912 zwangen sie die Regierung, fast alle ihre Forderungen anzunehmen.

Die Aufstände verbanden die verschiedenen Teile der albanischen Gebiete miteinander: Kosovo, die nördlichen Berge, Dibra sowie Mittel- und Südalbanien. Zu ihren Anführern gehörten sowohl Bandenführer wie Isa Boletini, Idriz Seferi und Bajram Curri als auch Politiker wie Hasan Prishtina und Ismail Qemali. Diese Erfahrung erwies sich schon wenige Monate später als wertvoll, als der Balkankrieg begann.

28. November 1912: die Unabhängigkeit Albaniens

Am 8. Oktober 1912 begann der Erste Balkankrieg, und die Nachbarn rückten in die albanischen Gebiete vor. Auf Autonomie zu warten, kam nun nicht mehr infrage. Am 28. November 1912 rief die Versammlung von Vlora unter dem Vorsitz von Ismail Qemali die Unabhängigkeit Albaniens aus.

Der Krieg verlief rasant. Die serbische Armee besetzte Skopje und stieß bis Tirana, Elbasan und Durrës vor. Die montenegrinische Armee belagerte Shkodra, die griechische nahm Ioannina, Sazan und Himara ein. Am 14. Oktober teilte eine Versammlung in Skopje den Großmächten mit, dass die Albaner für ihre Gebiete kämpfen würden. Ismail Qemali und Luigj Gurakuqi reisten durch die europäischen Hauptstädte, um Unterstützung zu gewinnen. Auch die Diaspora wurde aktiv: Am 5. November 1912 fand in Bukarest eine Versammlung der albanischen Kolonien statt, die ein Leitungskomitee und eine Kommission für Verhandlungen mit den europäischen Kanzleien bildete. Am 21. November traf Qemali in Durrës ein, wo das türkische Kommando einen Haftbefehl gegen ihn erließ, und gelangte von dort nach Vlora. Unterdessen hissten Elbasan, Tirana, Durrës, Kavaja, Peqin und Lushnja die Nationalflagge.

Am 28. November 1912 rief die Versammlung von Vlora die Unabhängigkeit aus. Die Erklärung unterzeichneten 40 Delegierte, darunter Nikollë Kaçorri und Luigj Gurakuqi. Noch am selben Tag setzte die Regierung die Kanzleien der Großmächte von dem Beschluss in Kenntnis. Am 4. Dezember wurde eine Provisorische Regierung unter Ismail Qemali gebildet. Zu ihrer Unterstützung und Kontrolle richtete man einen Ältestenrat (Senat) ein. Albanien war das letzte Balkanland, das sich von der osmanischen Herrschaft befreite.

Flagge und Senat

Unmittelbar nach der Unterzeichnung der Erklärung wurde die Nationalflagge vor dem Volk am Haus gehisst, in dem die Versammlung tagte. Die Flagge, die zuvor einzelne Städte gehisst hatten, wurde zum Zeichen des ganzen neuen Staates.

Der Ältestenrat oder Senat (Pleqësia) hatte beratende Funktion. Zu seinem Vorsitzenden wurde Vehbi Agolli aus Dibra gewählt. So besaß der neue Staat von den ersten Tagen an eine Regierung und ein Organ, das sie unterstützte und ihre Arbeit überwachte.

Die Anerkennung

Die Londoner Botschafterkonferenz erkannte Albanien am 17. Dezember 1912 de facto an und beschloss am 29. Juli 1913 seine volle Unabhängigkeit. Albanien sollte ein neutraler Staat unter der Garantie der Großmächte werden, mit einem europäischen Fürsten an der Spitze. Ismail Qemali, 1844 in Vlora geboren, war der erste Ministerpräsident und Außenminister. Er trat am 22. Januar 1914 zurück und starb 1919 in Perugia.

Die Beschlüsse der Londoner Konferenz bedeuteten, dass die in Vlora ausgerufene Unabhängigkeit international anerkannt war. Wie sich das Leben des neuen Staates weiter entwickelte, erzählt das nächste Kapitel.

Die wichtigsten Daten der Wiedergeburt

DatumEreignis
1839Beginn des Tanzimat
1844–1845Fibel „Evetar“ von Naum Veqilharxhi
Juni 1847Versammlung von Mesaplik
1864„Wilajetsgesetz“
3. März 1878Vorfrieden von San Stefano
10. Juni 1878Gründung der Liga von Prizren
13. Juni – 13. Juli 1878Berliner Kongress
12. Oktober 1879Gesellschaft für den Druck albanischer Schriften in Istanbul
23. April 1881Zerschlagung der Liga von Prizren
7. März 1887Eröffnung der Mësonjëtorja in Korça
1891erste Mädchenschule in Korça
Januar 1899Liga von Peja
23. Juli 1908Sieg der jungtürkischen Revolution
November 1908Kongress von Monastir
1910Kosovo-Aufstand
24. März 1911Beginn des Aufstands in der Malësia e Madhe
28. April 1912Föderation Vatra in den USA
4. September 1912Regierung nimmt die Forderungen der Aufständischen an
8. Oktober 1912Beginn des Ersten Balkankriegs
28. November 1912Ausrufung der Unabhängigkeit in Vlora
4. Dezember 1912Provisorische Regierung unter Ismail Qemali
17. Dezember 1912De-facto-Anerkennung durch die Londoner Konferenz
29. Juli 1913Beschluss über die volle Unabhängigkeit Albaniens
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Häufige Fragen

Was ist die Rilindja?

Rilindja Kombëtare ist die albanische Nationale Wiedergeburt, eine Bewegung von den 1830er-Jahren bis 1912. Ihre Ziele waren die Befreiung von der osmanischen Herrschaft, die Vereinigung der albanischen Gebiete in einem Staat und die Förderung der albanischen Sprache und Schule.

Warum wurde die Liga von Prizren gegründet?

Sie sollte verhindern, dass die albanisch besiedelten Gebiete nach dem Vertrag von San Stefano 1878 unter Serbien, Montenegro und Bulgarien aufgeteilt wurden. Die Liga wurde am 10. Juni 1878 gegründet, verteidigte Plav und Gusinje und forderte ein autonomes albanisches Wilajet. Im April 1881 schlugen die Osmanen sie nieder.

Warum ist der 7. März der Tag des Lehrers?

Am 7. März 1887 wurde in Korça die Mësonjëtorja („Lernstätte“) eröffnet, die erste weltliche Schule mit Unterricht in albanischer Sprache. Ihr erster Direktor war Pandeli Sotiri. Zur Erinnerung daran feiert man in Albanien am 7. März den Tag des Lehrers.

Wann entstand das heutige albanische Alphabet?

Auf dem Kongress von Monastir im November 1908. Der Kongress ließ zwei Alphabete zu, das Istanbuler und das lateinische „Bashkimi“-Alphabet; auf das zweite geht das heutige albanische Alphabet zurück. Der 22. November wird als Tag des Alphabets begangen.

Wer rief die Unabhängigkeit Albaniens aus?

Die Versammlung von Vlora unter dem Vorsitz von Ismail Qemali am 28. November 1912. Die Erklärung unterzeichneten 40 Delegierte. Am 4. Dezember übernahm Qemali die Führung der Provisorischen Regierung und wurde der erste Ministerpräsident Albaniens.

Wer waren die Brüder Frashëri?

Abdyl, Naim und Sami Frashëri waren zentrale Gestalten der Wiedergeburt. Abdyl war der wichtigste Vordenker der Liga von Prizren, Naim der Nationaldichter und Verfasser des Poems „Viehzucht und Ackerbau“, Sami ein Mitglied der Istanbuler Gesellschaft, dem das Manifest von 1899 zugeschrieben wird.

Was ist das Greça-Memorandum?

Ein Dokument, das Ismail Qemali und Luigj Gurakuqi am 23. Juni 1911 während des Aufstands in der Malësia e Madhe verfassten. Es wird auch „Rotes Buch“ genannt. 22 Anführer der Bergstämme unterzeichneten das Memorandum, und es wurde den Vertretern der Großmächte in Cetinje übergeben.

Welche Rolle spielten Frauen in der Wiedergeburt?

Vor allem im Schulwesen. 1891 wurde in Korça die erste albanische Mädchenschule eröffnet, gegründet von Gjerasim Qiriazi und seiner Schwester Sevasti; dort unterrichtete auch Parashqevi Qiriazi. Dora d'Istria trat mit ihren Schriften für die albanische Sache ein.

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Quellen

  1. Britannica: Albania — History
  2. Wikipedia: League of Prizren
  3. Wikipedia: Congress of Manastir
  4. Wikipedia: Albanian Declaration of Independence
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