Skanderbeg und das osmanische Albanien: Liga, Kriege, Paschaliks
Bis 1479 unterwarfen die Osmanen fast ganz Albanien, doch Skanderbeg hielt sie ein Vierteljahrhundert lang auf. Danach folgten mehr als vier Jahrhunderte osmanischer Herrschaft.

Inhalt10 Abschnitte
- Der Vormarsch der Osmanen auf dem Balkan
- Die ersten Schritte der Osmanen in Europa
- Savra und das Amselfeld
- Vasallen des Sultans
- Der Sandschak Albanien
- Gjergj Kastriotis Jugend
- 1443: Rückkehr und die Liga von Lezha
- Warum gerade Lezha und Skanderbeg
- Die Bedeutung der Liga von Lezha
- Fünfundzwanzig Jahre Krieg
- Die Belagerungen von Kruja
- Frieden mit Venedig
- Skanderbegs Staat und seine Verbündeten
- Skanderbegs Helm
- Verbündete im Westen
- Skanderbegs Tod und das Ende des Widerstands
- Die Erinnerung an Skanderbeg
- Albanien unter osmanischer Herrschaft
- Sandschaks, Timare und Çiftliks
- Islamisierung und Auswanderung
- Sepharden in Vlora
- Antiosmanische Versammlungen
- Die Paschaliks von Shkodra und Janina
- Shkodra: die Bushati
- Janina: Ali Pascha Tepelena
- Das Ende der Paschaliks
- Die ersten Bücher und Schulen
- Häufige Fragen
Die Osmanen kamen Ende des 14. Jahrhunderts in die albanischen Gebiete und hatten sie bis 1479 fast vollständig unterworfen (das venezianische Durrës fiel erst 1501). Dazwischen liegt ein Vierteljahrhundert Krieg unter Skanderbeg, der zentralen Gestalt der albanischen Geschichte. Darauf folgten mehr als vier Jahrhunderte osmanischer Herrschaft mit Aufständen, Islamisierung und den halbunabhängigen Paschaliks von Shkodra und Janina.
Dies ist das dritte Kapitel unseres Leitfadens zur Geschichte Albaniens. Es spannt den Bogen von der Schlacht bei Savra bis zum Tod von Ali Pascha Tepelena im Jahr 1822.
Der Vormarsch der Osmanen auf dem Balkan
Die Osmanen kamen auf dem Balkan schnell voran, weil die Macht der örtlichen Herrscher zersplittert und das osmanische Heer militärisch überlegen war. Die albanischen Gebiete unterwarfen sie in drei Schritten: Zuerst machten sie die Fürsten zu Vasallen, dann eroberten sie das Land, schließlich führten sie die osmanische Verwaltung ein.

Die ersten Schritte der Osmanen in Europa
Das Osmanische Reich verdankt seinen Namen Osman. Er begründete 1299 eine Dynastie, die mehr als 600 Jahre lang herrschte.
Unter Sultan Orhan (1323–1362) besetzten die Osmanen 1352 die Festung Tzympe und 1354 Gallipoli. Das waren ihre ersten Stützpunkte auf der europäischen Seite. Von hier aus begann der Vorstoß tief in den Balkan.
Der nächste Sultan, Murad I., regierte von 1362 bis 1389. Um 1365–1367 nahm er Adrianopel (Edirne) ein und machte es zu seiner neuen Hauptstadt.
Auf Murad I. folgte Bayezid I. (1389–1402), genannt „Yıldırım“, der Blitz. Er setzte die Eroberungen fort, und 1392 nahmen die Osmanen Skopje ein, das so zu einem wichtigen strategischen Stützpunkt nahe den albanischen Gebieten wurde.
Savra und das Amselfeld
Die Herrscher auf dem Balkan versuchten, sich zusammenzuschließen, doch ihre Koalitionen unterlagen eine nach der anderen. Die erste wurde 1371 an der Mariza geschlagen. In der Schlacht bei Savra nahe Lushnja fiel am 18. September 1385 der albanische Fürst Balsha II. Die dritte Koalition brachte der serbische Fürst Lazar zusammen, auch albanische Feudalherren gehörten ihr an. Am 15. Juni 1389 siegten die Osmanen auf dem Amselfeld, obwohl Sultan Murad I. selbst in der Schlacht ums Leben kam.
Die Schlacht bei Savra zeigt, wie sehr die Streitigkeiten unter den örtlichen Fürsten den Osmanen in die Hände spielten. 1385 rief Karl Topia selbst osmanische Truppen gegen seinen Rivalen Balsha II. zu Hilfe. Das Ergebnis war die Schlacht bei Lushnja, in der Balsha II. fiel und die Osmanen in den albanischen Gebieten Fuß fassten.
In der Koalition von 1389 kämpften laut Lehrbuch die albanischen Feudalherren Teodor II. Muzaka, Dimitër Jonima und Andrea Gropa. Manchmal wird auch Gjergj II. Balsha genannt, seine Teilnahme ist jedoch umstritten. Nach der Niederlage auf dem Amselfeld gerieten viele albanische Städte vorübergehend unter osmanische Herrschaft, und die Abhängigkeit des albanischen Adels vom Sultan wuchs.
Vasallen des Sultans
Die Vasallenschaft war die erste Stufe der Eroberung. Die Vasallenfürsten schickten ihre Söhne als Geiseln an den Hof des Sultans, zahlten einen jährlichen Tribut und stellten Truppen für die osmanischen Feldzüge.
Eine Atempause trat ein, nachdem Bayezid I. 1402 bei Ankara vernichtend geschlagen worden war. Im Osmanischen Reich begannen Thronwirren, die bis 1413 andauerten, als Mehmed I. den Thron bestieg. In diesen Jahren gewannen die albanischen Fürsten ihre Besitzungen vorübergehend zurück.
Der Sandschak Albanien
Um 1415 richteten die Osmanen den Sandschak Albanien ein; sein erster Verwaltungssitz war Gjirokastra. 1431–1432 legten sie dafür ein Katasterbuch an, den Defter. Das Land wurde nach dem Timar-System an Sipahis vergeben, die als Gegenleistung Kriegsdienst leisteten.
Ein Timar ging nicht in den Besitz des Sipahi über: Das Land blieb Staatseigentum, und der Sipahi durfte es nutzen, solange er Kriegsdienst leistete.
Genau dieses System löste den großen Aufstand von 1432–1435 aus. Einer seiner bekanntesten Anführer war Gjergj Arianiti, der den Osmanen mehrere Niederlagen beibrachte. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, doch wenige Jahre später hatten die Albaner einen neuen Anführer.
Gjergj Kastriotis Jugend
Gjergj Kastrioti wurde 1405 geboren. Sein Vater Gjon Kastrioti herrschte über die Gebiete zwischen Lezha und Prizren, seine Mutter hieß Vojsava. Der Vater erkannte die Oberhoheit des Sultans an und schickte seine Söhne als Geiseln an den Hof. Dort erhielt der junge Gjergj den Namen Iskander, nach Alexander dem Großen.
Gjon Kastrioti war ein Vasall wider Willen. 1429–1430 erhob er sich selbst gegen die Osmanen, doch der Aufstand wurde von den Truppen Ishak Beys niedergeschlagen.
Daher stammt auch sein Beiname: Die Osmanen nannten ihn Iskander Bey, in die Geschichte ging er als Skanderbeg ein (albanisch Skënderbeu). Am Hof des Sultans machte er Karriere im Militär, und 1440 wurde er Sandschakbey von Dibra.
Als osmanischer Amtsträger diente Skanderbeg unter anderem als Subaşı des Vilayets Kruja.
1443: Rückkehr und die Liga von Lezha
Am 3. November 1443 unterlag das osmanische Heer bei Niš dem ungarischen Feldherrn Johann Hunyadi. Skanderbeg setzte sich mit Hunderten Albanern vom Heer ab und brachte am 28. November Kruja mithilfe eines gefälschten Sultansbriefs in seine Gewalt. Über der Festung hisste er die rote Fahne mit dem schwarzen Doppeladler.
Bald waren auch weitere Festungen befreit: Petrela, Guri i Bardhë, Stelush und Svetigrad. Als Nächstes galt es, die Fürsten zu vereinen.
Nach Kruja wurde fast ganz Mittelalbanien befreit, von Dibra im Osten bis zur Adria. Kruja wurde zur Hauptstadt von Skanderbegs Staat und blieb bis zum Ende des Krieges seine wichtigste Festung.
Am 2. März 1444 versammelten sich die albanischen Fürsten in der Kathedrale des heiligen Nikolaus in Lezha. Unbestritten vertreten waren die Familien Arianiti, Dukagjini, Muzaka, Topia und Balsha; über die übrigen Teilnehmer gehen die Quellen auseinander. Die Versammlung beschloss ein gemeinsames Heer und eine gemeinsame Kasse und wählte Skanderbeg zum Befehlshaber des Bundes. Die Fürsten behielten ihre Selbstständigkeit, Skanderbeg war „Erster unter Gleichen“.
Warum gerade Lezha und Skanderbeg
Lezha stand unter venezianischer Herrschaft. Das Lehrbuch begründet die Wahl so: Die Stadt lag nahe an den Gebieten aller Teilnehmer, das neutrale venezianische Territorium entschärfte die Rivalität unter den Fürsten, und zugleich war die Wahl des Ortes eine Geste des Entgegenkommens gegenüber Venedig.
An die Spitze der Liga brachten Skanderbeg seine Rolle im Aufstand von 1443, die Lage der Kastrioti-Besitzungen, seine verwandtschaftlichen und durch Heirat geknüpften Verbindungen sowie seine persönlichen Eigenschaften.
Die Bedeutung der Liga von Lezha
Die Versammlung von Lezha ist das erste bekannte albanische Forum mit einer so breiten Beteiligung. Zum ersten Mal schlossen sich die Albaner in einer gemeinsamen Organisation zusammen, und die Liga von Lezha wurde für die folgenden Jahrhunderte zum Vorbild der Einheit.
Die Liga hob die Macht der Fürsten nicht auf: Jeder blieb Herr über seine eigenen Gebiete. Doch ein gemeinsames Heer, eine gemeinsame Kasse und ein einziger Befehlshaber ermöglichten es den Albanern, einen langen Krieg gegen einen weit stärkeren Gegner zu führen.
Fünfundzwanzig Jahre Krieg
Von 1444 bis 1468 führte Skanderbeg mit einem Heer von etwa 15.000 Mann mehr als 23 Schlachten gegen die Osmanen und gegen Venedig. Dreimal belagerten die Osmanen Kruja, und jedes Mal hielt die Festung stand. Die wichtigsten Ereignisse dieses Krieges:
| Wann | Was geschah |
|---|---|
| 29. Juni 1444 | Schlacht bei Torvioll, der erste große Sieg; Ali Pascha wird geschlagen |
| 1447–1448 | Krieg mit Venedig |
| 1448 | Die Osmanen nehmen Svetigrad nach einer Belagerung ein |
| 14. August 1448 | Sieg bei Oranik |
| 4. Oktober 1448 | Frieden Venedigs mit der Liga von Lezha |
| 1450 | Erste Belagerung von Kruja, angeführt von Sultan Murad II. persönlich; er zieht unverrichteter Dinge ab |
| 2. September 1457 | Sieg bei Albulena (Ujëbardha) |
| 1466 und 1467 | Zwei Belagerungen von Kruja durch Sultan Mehmed II., den Eroberer Konstantinopels |
Zu den wichtigsten Kämpfen zählt das Lehrbuch außerdem die Gefechte bei Kashar und Mokra sowie den Krieg mit Venedig um die Festung Deja. Während des Feldzugs von 1466 errichteten die Osmanen die Festung Elbasan, um Skanderbegs Gebiete ständig bedrohen zu können.
Der Kampf der Albaner dauerte etwa ein Vierteljahrhundert und hielt die ganze Zeit über den Vormarsch der Osmanen nach Westeuropa auf.
Die Belagerungen von Kruja
Kruja war das Herz des Widerstands. Die erste Belagerung im Jahr 1450 führte Sultan Murad II. persönlich; sie dauerte mehrere Monate, doch die Stadt wurde nicht eingenommen. Mehmed II., der Eroberer Konstantinopels, zog zweimal, 1466 und 1467, vor die Mauern von Kruja und musste ebenfalls abziehen.
Um die albanischen Gebiete nicht ganz zu verlassen, errichteten die Osmanen 1466 in der Nähe die Festung Elbasan. Von dort aus konnten sie Skanderbegs Gebiete auch zwischen den großen Feldzügen bedrohen.
Frieden mit Venedig
Der Krieg mit Venedig von 1447–1448 endete mit einem Frieden: Am 4. Oktober 1448 unterzeichnete Venedig einen Vertrag mit der Liga von Lezha, die Skanderbeg vertrat. Als zweiten Unterzeichner nennen die Quellen unterschiedliche Fürsten.
Nicht alle Mitstreiter blieben treu. 1456 lief Skanderbegs Neffe Hamza Kastrioti zu den Osmanen über. Ebenso wechselte der Feldherr Moisi Golemi die Seiten; er wurde jedoch im selben Jahr geschlagen, begnadigt und hielt danach bis zu seinem Tod zu Skanderbeg. Als Nachbar war auch Venedig unberechenbar: Ein venezianisches Dokument vom 4. Mai 1448 belegt, dass man dort einen Plan zur Ermordung Skanderbegs erörterte.
Skanderbegs Staat und seine Verbündeten
Aus der Liga wurde nach und nach ein Staat, eine Feudalmonarchie mit erblicher Herrschaft. Skanderbeg trug den Titel „Herr Albaniens“. Seine Gebiete reichten von den Bergen von Dukagjin im Norden bis zu den Flüssen Devoll und Seman im Süden und von der Adria bis ins Tal des Schwarzen Drin.
Regiert wurde der Staat von der Versammlung der albanischen Fürsten, dem Obersten Rat und dem Kriegsrat. Er besaß eigene Hoheitszeichen – Fahne, Wappen und Siegel – sowie eine Staatskasse und Beamte. Um aus dem Fürstenbund einen einheitlichen Staat zu formen, setzte Skanderbeg auf Heiratsbündnisse, freiwilligen Anschluss und Gewalt.
Skanderbegs Helm
Zu den bekanntesten Symbolen wurde Skanderbegs Helm. Er besteht aus weißem Metall, hat einen vergoldeten Reif und trägt oben einen Ziegenkopf. Dieses Zeichen wird traditionell mit Pyrrhus von Epirus in Verbindung gebracht.
Auch die Fahne mit dem schwarzen Doppeladler auf rotem Grund, die Skanderbeg 1443 in Kruja hisste, wurde zu einem Symbol seines Staates.
Verbündete im Westen
Verbündete suchte er im Westen:
Neapel. Am 26. März 1451 schloss Skanderbeg mit König Alfons V. den Vertrag von Gaeta und erkannte im Gegenzug für Hilfe dessen Schutzherrschaft an. 1455 kämpften neapolitanische Soldaten bei der Belagerung von Berat auf seiner Seite. 1460–1461 zog Skanderbeg dann selbst nach Italien und kämpfte in Apulien an der Seite König Ferdinands I. gegen die Anjou.
Der Heilige Stuhl. Am 23. Dezember 1457 ernannte Papst Calixtus III. ihn zum Generalkapitän des Heiligen Stuhls und verlieh ihm den Titel „Athlet Christi“ (Athleta Christi).
Venedig. Nach langer Rivalität schloss Venedig 1463 mit Skanderbeg ein Bündnis gegen die Osmanen.
Ungarn. Ein wichtiger Verbündeter war Johann Hunyadi, der den Krieg Ungarns gegen die Osmanen anführte. Gerade sein Sieg bei Niš im Jahr 1443 gab Skanderbeg die Gelegenheit, in die Heimat zurückzukehren.
Geplant war auch eine Krönung Skanderbegs, doch sie kam nicht zustande: Papst Pius II. starb 1464 in Ancona, während er einen Kreuzzug vorbereitete.
Ebenfalls 1463, am 27. April, unterzeichnete Skanderbeg mit den Osmanen den Frieden von Skopje, der allerdings nicht lange hielt. Bereits am 21. April 1451 hatte er im Kloster Ardenica Donika geheiratet, die Tochter von Gjergj Arianiti.
Diese Ehe festigte das Bündnis mit der Familie Arianiti, einer der einflussreichsten in der Liga von Lezha. Skanderbegs Schwiegervater Gjergj Arianiti hatte früher selbst den Aufstand von 1432–1435 angeführt.
Skanderbegs Tod und das Ende des Widerstands
Skanderbeg starb am 17. Januar 1468 in Lezha an Malaria und wurde dort in der Kirche des heiligen Nikolaus beigesetzt. Den Widerstand führte nun Lekë Dukagjini an, doch ohne Skanderbeg ließ er sich nicht lange halten: Kruja fiel 1478, Shkodra trotz venezianischer Hilfe 1479.
Mit der Einnahme von Durrës im Jahr 1501 (im Lehrbuch Albas: 1506) stand fast ganz Albanien unter osmanischer Herrschaft.
Die Erinnerung an Skanderbeg
Die Erinnerung an Skanderbeg wurde schon bald nach seinem Tod gepflegt. Um 1510 erschien in Rom seine Lebensbeschreibung aus der Feder des Humanisten Marin Barleti aus Shkodra. 1636 veröffentlichte Frang Bardhi in Venedig eine Verteidigungsschrift für ihn. Heute erinnert in Kruja das Nationale Skanderbeg-Museum an ihn, außerdem gibt es den Film „Skanderbeg“ und einen Roman über ihn von Sabri Godo. Das Buch „Skanderbeg“ des deutschen Historikers Oliver Jens Schmitt löste in Albanien eine Debatte darüber aus, wie der Held wirklich war.
Die Schrift von Frang Bardhi war eine Apologie, also eine Verteidigung Skanderbegs.
Albanien unter osmanischer Herrschaft
Nach 1479 gehörten die albanischen Gebiete mehr als vier Jahrhunderte lang zum Osmanischen Reich. Sie waren Teil des Eyalets Rumelien, das sich in Sandschaks unter Sandschakbeys gliederte, diese wiederum in Kazas und Nahiyes. Grund und Boden gehörten dem Staat.
Sandschaks, Timare und Çiftliks
Laut Lehrbuch waren die albanischen Gebiete in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in 11 Sandschaks gegliedert. An der Spitze jedes Sandschaks stand ein Sandschakbey.
Das Staatsland war in Hass, Zeamet und Timar aufgeteilt, und die Sipahis nutzten es als Gegenleistung für ihren Kriegsdienst. Die Bauern zahlten dem Sipahi den Zehnten und weitere Abgaben, dem Staat eine Kopf- und eine Viehsteuer. Die Bergregionen verwalteten sich selbst: Sie entrichteten einen jährlichen Tribut und stellten Krieger für Feldzüge. In den Städten schlossen sich Handwerker und Händler zu Esnafs zusammen, Zünften mit eigenen Satzungen, die religiöse Einrichtungen und Schulen unterstützten.
Wirtschaftlich zerfielen die albanischen Dörfer in zwei Zonen. Die eine bildeten die Dörfer des Timar-Systems, die andere die sich selbst verwaltenden Bergregionen mit ihrer Sonderstellung.
Im 17. und 18. Jahrhundert geriet das Timar-System ins Wanken. An seine Stelle trat der Çiftlik, Land in Privatbesitz. Dieser Wandel bereitete den Boden für den Aufstieg der örtlichen Paschas.
Islamisierung und Auswanderung
Islam, Dienst und Auswanderung. Nach der Eroberung wanderten viele Albaner nach Italien aus; ihre Nachkommen sind die Arbëresh, die bis heute in Süditalien leben. Ein großer Teil der Zurückgebliebenen trat zum Islam über, vor allem im 16. bis 18. Jahrhundert. Dabei spielten Zwang ebenso eine Rolle wie Anreize: Neubekehrte erhielten Geschenke, und Handel sowie eine militärische Laufbahn standen vor allem Muslimen offen. Viele muslimische Albaner brachten es in der osmanischen Verwaltung und Armee weit.
Laut Lehrbuch hatten bis Mitte des 18. Jahrhunderts etwa 70 % der albanischen Bevölkerung den Islam angenommen. So wurde die Mehrheit der Albaner muslimisch.
Sepharden in Vlora
Die albanischen Gebiete nahmen auch Zuwanderer auf. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 und aus Portugal 1497 ließen sich viele Sepharden in Vlora nieder. Die Stadt wurde zum wichtigsten Zentrum der Sepharden in den albanischen Gebieten.
Antiosmanische Versammlungen
Aufstände im 16. und 17. Jahrhundert. Das Lehrbuch unterscheidet für die albanische Gesellschaft dieser Zeit zwei Wege: den Aufstieg im osmanischen Dienst und den bewaffneten Widerstand. Antiosmanische Versammlungen gab es am 7. November 1594 in Mat, 1599 in Blinisht und erneut 1601 und 1602. 1607 brach ein Aufstand unter Andrea Manesi aus. 1614 kamen in Kuçi die Balkanvölker zu zwei Versammlungen zusammen. Während des Österreichisch-Osmanischen Krieges half Erzbischof Pjetër Bogdani 1689, die Albaner im Kosovo zur Unterstützung des österreichischen Heeres zu mobilisieren.
Die Versammlungen von 1601 und 1602 fanden in Dukagjin und Mat statt. Nach den Versammlungen in Kuçi gab es laut Lehrbuch 1616–1620 zwei weitere Versammlungen in Serbien. Bei solchen Treffen suchten die albanischen Anführer Verbündete unter den Nachbarn und hofften auf Hilfe der europäischen Mächte.
Die Paschaliks von Shkodra und Janina
Im 18. Jahrhundert ließ die Macht des Sultans nach, und in den albanischen Gebieten entstanden zwei starke, halbunabhängige Herrschaften: das Paschalik Shkodra der Dynastie Bushati (1757–1831) und das Paschalik Janina unter Ali Pascha Tepelena (1787–1822). Beide wurden schließlich von der Hohen Pforte zerschlagen.
Die Paschaliks entstanden nicht zufällig. Das Timar-System war geschwächt, und das Osmanische Reich steckte im 18. Jahrhundert in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Unter diesen Umständen rissen die örtlichen Paschas die Macht an sich und gehorchten Istanbul immer weniger.

Shkodra: die Bushati
Gegründet wurde das Paschalik 1757 von Mehmed Pascha Bushati, genannt der Alte. Er sorgte für Ordnung, begegnete den Katholiken mit Toleranz, förderte Handwerker und Händler, bekämpfte Piraten und eröffnete in Shkodra eine Bibliothek mit Werken zum osmanischen Recht. 1771 verlieh die Pforte den Bushati den Rang eines Wesirs und die Herrschaft über die Sandschaks Shkodra, Dukagjin, Ohrid und Elbasan.
Die Pforte fürchtete einen allzu mächtigen Pascha. 1775 wurde Mehmed Pascha Bushati vergiftet, und an seine Stelle setzte man Mehmed Pascha Köstendil. Der Adel von Shkodra erkannte den neuen Herrscher nicht an, und die Macht fiel an die Bushati zurück.
Am mächtigsten wurde Kara Mahmud Pascha (1775–1796). Zwischen 1780 und 1785 nahm er Bosnien Podgorica und Spuž ab und unterwarf die Gegend um Elbasan und Tirana. Im Frühjahr 1786 versammelte er in Podgorica die Anführer der Albaner, Montenegriner, Bosnier und Herzegowiner und gründete die „Illyrische Konföderation“. Am 25. November 1787 schlug Mahmud die aus Bosnien und Rumelien gegen ihn entsandten Truppen, rief einen unabhängigen Staat aus und bat Österreich und Russland um Unterstützung. 1791 erhob er sich ein zweites Mal und siegte erneut. Mahmud fiel am 22. September 1796 bei Krusi, auf einem Feldzug gegen die Montenegriner.
Die Jahre 1780–1785 beschreibt das Lehrbuch als Wiedergeburt des Paschaliks Shkodra als Staat. 1785 besiegte Kara Mahmud Montenegro und zwang es zur Zahlung einer hohen Summe. Zur selben Zeit errang er einen Sieg über die Osmanen, und die europäischen Mächte, allen voran Österreich und Russland, suchten den Kontakt zu ihm.
Sein Nachfolger Ibrahim Pascha blieb Vasall des Sultans und wurde Wali von Rumelien. Der letzte Pascha war Mustafa Pascha Bushati: Er wirkte an der Zerschlagung des Paschaliks Janina mit, 1831 belagerte ihn Reşid Mehmed Pascha in der Festung Rozafa und zwang ihn zur Kapitulation. Damit endete das Paschalik.
Ibrahim Pascha versuchte auch, sich mit seinem Nachbarn zu verständigen: Er schlug Ali Pascha Tepelena vor, die persönliche Feindschaft zu begraben und gemeinsam gegen die französischen Truppen Napoleons vorzugehen.
Janina: Ali Pascha Tepelena
Ali Pascha wurde um 1743 in Beçisht geboren (nach anderen Angaben in Tepelena). Sein Paschalik mit Zentrum Janina reichte von Ohrid und dem Shkumbin im Norden bis nach Thessalien und zum Pindos im Süden. Ali Pascha stellte ein Heer nach europäischem Vorbild auf, schuf eine Polizei und einen Nachrichtendienst, baute Straßen, Brücken, Wasserleitungen und Festungen und hatte einen eigenen Rat, den Diwan, sowie eine eigene Kasse.
Im Westen reichten Ali Paschas Gebiete bis an die Adria und das Ionische Meer, im Osten bis zur Vardar-Schlucht und bis an den Golf von Korinth und den Golf von Thessaloniki. Seine Kundschafter waren nicht nur innerhalb des Reiches, sondern auch jenseits seiner Grenzen tätig. Unter ihm blühten Handwerk und Handel auf.
Er unterhielt eigene diplomatische Beziehungen zu Napoleon und zu Großbritannien. 1809 besuchte ihn Lord Byron und verarbeitete die Begegnung in „Childe Harolds Pilgerfahrt“. 1820 rief Ali Pascha einen autonomen Staat mit albanischen und griechischen Gebieten aus, woraufhin der Sultan ihn für vogelfrei erklärte. Ali Pascha leistete bis zuletzt Widerstand und wurde im Januar 1822 auf einer Insel im See von Janina getötet.
1820 erklärte die Pforte Ali Pascha zum Rebellen und schickte Truppen gegen ihn. Er weigerte sich, aufzugeben. Getötet wurde er am 24. Januar 1822 nach dem julianischen Kalender, also am 5. Februar nach dem gregorianischen; sein Kopf wurde nach Istanbul geschickt.
Das Ende der Paschaliks
Mit der Zerschlagung des Paschaliks Janina 1822 und des Paschaliks Shkodra 1831 beseitigte die Pforte die beiden wichtigsten Bastionen des albanischen Separatismus. Die örtlichen Paschas konnten es nicht mehr mit Istanbul aufnehmen.
Zur selben Zeit baute Sultan Mahmud II. das Reich um. Im Juni 1826 löste er die Janitscharen auf, um ein Heer nach westlichem Vorbild zu schaffen. Laut Lehrbuch wurde 1832 auch das Timar-System abgeschafft, die jahrhundertealte Grundlage der osmanischen Wirtschaft. Von dieser Zeit der Reformen erzählt das nächste Kapitel.
Die ersten Bücher und Schulen
Die ersten albanischen Bücher schrieben und veröffentlichten vor allem katholische Geistliche. Auf die Taufformel von 1462 und den Meshari („Messbuch“) von Gjon Buzuku aus dem Jahr 1555 folgten nach und nach die Werke, mit denen die albanische Literatur beginnt.
Die Taufformel ist das älteste bekannte schriftliche Zeugnis der albanischen Sprache. Aufgezeichnet hat sie Pal Engjëlli, der Erzbischof von Durrës. Der Meshari („Messbuch“) von Gjon Buzuku ist das erste gedruckte Buch auf Albanisch.
1592: Der Arbëresh Lekë Matrënga veröffentlicht den Katechismus E mbësuame e krishterë („Christliche Lehre“).
1618: Es erscheint die „Christliche Doktrin“ von Pjetër Budi; er gilt als erster Autor eigenständiger albanischer Prosa und Dichtung.
1635: Frang Bardhi veröffentlicht in Rom das erste lateinisch-albanische Wörterbuch mit etwa 5640 Wörtern.
1685: Pjetër Bogdani veröffentlicht die theologisch-philosophische Abhandlung Cuneus Prophetarum („Die Schar der Propheten“).
Bardhis Wörterbuch trug den Titel Dictionarium latino-epiroticum. Derselbe Autor veröffentlichte ein Jahr später in Venedig eine Apologie Skanderbegs, und Pjetër Bogdani war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Erzbischof, der 1689 half, die Albaner im Kosovo zu mobilisieren.
Im 18. Jahrhundert wurde Voskopoja zu einem wichtigen kulturellen Zentrum: Die Stadt hatte eine höhere Schule, die als „Neue Akademie“ bekannt war. Wie aus verschiedenen Schriftsystemen später ein einheitliches albanisches Alphabet wurde, erzählen wir im nächsten Kapitel.
Weiter geht es mit Wiedergeburt und Unabhängigkeit Albaniens. Zurück zum mittelalterlichen Albanien.
Häufige Fragen
Woher kommt der Name Skanderbeg?
Am Hof des Sultans erhielt Gjergj Kastrioti den Namen Iskander, nach Alexander dem Großen, und die Osmanen nannten ihn Iskander Bey. Daraus wurde „Skanderbeg“, auf Albanisch Skënderbeu.
Was ist die Liga von Lezha?
Ein Bund albanischer Fürsten, gegründet am 2. März 1444 in der Kathedrale des heiligen Nikolaus in Lezha. Zu seinen unbestrittenen Mitgliedern gehörten die Familien Arianiti, Dukagjini, Muzaka, Topia und Balsha. Die Liga schuf ein gemeinsames Heer und eine gemeinsame Kasse und wählte Skanderbeg zum Befehlshaber.
Wie oft belagerten die Osmanen Kruja?
Dreimal: 1450 unter Sultan Murad II. sowie 1466 und 1467 unter Mehmed II. Kein einziges Mal ergab sich die Festung. Kruja fiel erst 1478, zehn Jahre nach Skanderbegs Tod.
Wann starb Skanderbeg?
Am 17. Januar 1468 in Lezha, an Malaria. Er wurde in der Kirche des heiligen Nikolaus in Lezha beigesetzt. Nach seinem Tod übernahm Lekë Dukagjini die Führung des Widerstands.
Was ist ein Timar?
Ein Stück Staatsland, dessen Erträge ein Sipahi erhielt. Im Gegenzug war er zum Dienst im osmanischen Heer verpflichtet. Das Land blieb Eigentum des Staates, und die Bauern zahlten dem Sipahi den Zehnten und weitere Abgaben.
Wer sind die Arbëresh?
Nachkommen von Albanern, die nach dem Fall von Kruja und Shkodra nach Italien auswanderten. Die Arbëresh leben bis heute in Süditalien; einer von ihnen war Lekë Matrënga, der 1592 einen Katechismus auf Albanisch veröffentlichte.
Wer war Ali Pascha Tepelena?
Der Herrscher des Paschaliks Janina von 1787 bis 1822, einer halbunabhängigen Herrschaft, die von Ohrid bis Thessalien reichte. Er unterhielt eigene diplomatische Beziehungen zu Napoleon und zu Großbritannien, empfing Lord Byron und rief 1820 einen autonomen Staat aus. Der Sultan erklärte ihn daraufhin für vogelfrei, und im Januar 1822 wurde Ali Pascha getötet.


