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Albanien

Albanien im Mittelalter: von Arbëria bis zu den Fürstentümern

Tausend Jahre zwischen Byzanz, Anjou und Serben: Um 1190 gründeten die Arbër das Fürstentum Arbanon, im 14. Jahrhundert folgten mächtige Fürstenhäuser.

21 Min. Lesezeit
Mittelalterliche Steinfestung am Berg über einem nebligen Tal, davor ein Hirte mit seiner Herde von hinten

Das albanische Mittelalter umfasst tausend Jahre: von untergehender Antike bis zur Ankunft der Osmanen. Die albanischen Gebiete gehörten zu Byzanz, nacheinander eroberten sie Bulgaren, Normannen, Anjou und Serben. Die Albaner selbst, die Arbër (mittelalterliche Albaner), gründeten um 1190 ihr erstes eigenes Fürstentum und im 14. Jahrhundert mehrere starke Fürstentümer.

Dies ist das zweite Kapitel unseres Leitfadens zur Geschichte Albaniens. Es reicht von der Teilung des Römischen Reiches bis zur Schlacht von Savra und zu den ersten Büchern in albanischer Sprache.

Albanien im frühen Mittelalter: von Illyrien zu Arbëria

Nach der Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 fielen die albanischen Gebiete an das Oströmische Reich, also an Byzanz. Bis zum Beginn des 7. Jahrhunderts nennen die Quellen ihre Bewohner Illyrer, ab dem 11. Jahrhundert heißen die Menschen Südillyriens Arbër (Arbanen) und ihr Land Arbëria (Arbanon).

Laut Lehrbuch schrumpfte gerade im frühen Mittelalter das illyrische Siedlungsgebiet, und es bildete sich das Volk der Arbër heraus, das man später Albaner nannte.

Im späten Römischen Reich gehörten diese Gebiete zur Präfektur Illyricum, die hier vier Provinzen umfasste:

ProvinzLage
PraevalitanaNorden, bis zum Fluss Shkumbin
DardaniaHeutiges Kosovo und angrenzende Gebiete
Epirus novaZwischen Shkumbin und Vjosa
Epirus vetusVon der Vjosa bis zum Ambrakischen Golf

Das Lehrbuch betont, dass zwei byzantinische Kaiser aus dieser Gegend stammten: Anastasios I. und Justinian I., die es als Kaiser illyrischer Herkunft bezeichnet. Anastasios I. wurde in Durrës geboren. Er befestigte seine Heimatstadt und ließ dort ein Hippodrom errichten, und auch die Stadtmauern von Durrës stammen aus seiner Zeit. Justinian schuf ein Befestigungssystem, das von der Donau bis in den Süden des Balkans reichte, und ein Teil dieser Festungen stand auf illyrischem Boden.

Ruhig war diese Zeit nicht. Goten und Hunnen plünderten das Land, brannten Dörfer nieder und zerstörten Städte. Im 6. und 7. Jahrhundert ließen sich mit Erlaubnis der byzantinischen Kaiser Slawen auf dem Balkan nieder. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts begannen sie, aus dem Donauraum einzufallen, in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts schlossen sich ihnen die Awaren an (im Lehrbuch Albas zogen sie gemeinsam mit den Slawen zu Beginn des 6. Jahrhunderts los). Die Slawen siedelten geschlossen und bildeten sogenannte Sklavinien. So begann die slawische Kolonisierung des Balkans.

Südillyrien widerstand der Assimilation, und dafür gab es mehrere Gründe:

  • Die Region war wirtschaftlich weiter entwickelt.

  • Die Bevölkerung hielt enger zusammen.

  • Das Gelände war gebirgig.

  • Die Küste war gut befestigt.

Wo Slawen dennoch vordrangen, gingen sie mit der Zeit in der einheimischen Bevölkerung auf. Nach Einschätzung des Lehrbuchs half auch das Christentum den Illyrern, ihre ethnische Identität zu bewahren. Das illyrische Gebiet schrumpfte dabei deutlich: Das Lehrbuch beschreibt es als Viereck zwischen der Bucht von Kotor, Niš, dem Pindos und Arta.

Zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert stellte Byzanz auf die Themenordnung um. An der Spitze jedes Themas stand ein Strategos, der die militärische und die zivile Gewalt in seiner Hand vereinte. Ein Thema war eine Militärprovinz mit eigenem Heer, das sich aus Einheimischen rekrutierte, den Stratioten; für ihren Dienst erhielten sie ein Stück Land. Auf dem Balkan entstanden die Themen Makedonien, Thessalonike, Nikopolis und Dyrrachion. Eines dieser Themen war Dyrrachion, das heutige Durrës. Es erstreckte sich entlang der Küste von Bar bis zur Bucht von Vlora und reichte im Osten bis an den Lauf des Drin.

Die Komani-Kultur und die Frage der Kontinuität

Das wichtigste archäologische Zeugnis dieser Zeit ist die frühmittelalterliche Komani-Kruja-Kultur. Funde stammen aus Komani (Hügel Dalmaca), Kruja und Lezha. Albanische Historiker sehen darin einen Beleg dafür, dass die Arbër direkte Nachfahren der Illyrer sind. Die Ausgrabungen in Komani bei Puka, an der Stelle Kalaja e Dalmaces, führte bereits Ende des 19. Jahrhunderts der französische Konsul in Shkodra, A. Degrand, durch.

Das Lehrbuch teilt die Argumente für diese Kontinuität in drei Gruppen:

  1. Archäologische Argumente, zum Beispiel mittelalterliche Festungsmauern auf antiken Fundamenten.

  2. Sprachliche Argumente: Personennamen sowie die Namen von Städten, Bergen und Flüssen.

  3. Ethnografische Argumente: Elemente der illyrischen Kleidung.

Erste Erwähnung der Albaner. Unter ihrem eigenen Namen tauchen die Albaner im 11. Jahrhundert in byzantinischen Quellen auf. Der byzantinische Historiker Michael Attaleiates berichtet von den Arvaniten im Zusammenhang mit den Ereignissen der 1040er-Jahre (dem Aufstand des Maniakes) und mit dem Aufstand von 1078–1079 im Thema Dyrrachion, und Anna Komnene nennt Arbanon, als sie die Ereignisse von 1081 schildert. Damit erscheinen die Albaner zum ersten Mal in der byzantinischen Geschichtsschreibung als eigenes Volk.

Sprache und Name der Arbër

Trotz der langen römischen Herrschaft wurden die Illyrer nicht vollständig romanisiert: Die Vorfahren der Albaner bewahrten ihre Sprache. Laut Lehrbuch entwickelte sich das Illyrische im 4. bis 6. Jahrhundert zum Protoalbanischen, auch Arbërisch genannt.

Schon vor dem Einfall der Slawen begannen sich in der Sprache Dialekte herauszubilden. Damals vollzog sich auch der Rhotazismus, der Übergang von n zu r (venë → verë), und im südlichen Dialekt entstand der Laut ë. Wörter, die später aus dem Slawischen entlehnt wurden, erfasste der Rhotazismus nicht, und das Lehrbuch führt dies als weiteres Argument für die Kontinuität an.

Der Name des Landes geht nach verbreiteter Ansicht auf den illyrischen Stamm der Albaner zurück. Sie und ihr Zentrum Albanopolis erwähnt Klaudios Ptolemaios (um 90–160), Geograf und Astronom aus Alexandria, in seiner „Geographie“. Albanopolis lag zwischen Durrës und Kruja; Archäologen vermuten es in Zgërdhesh bei Kruja.

Dass Albanisch im Alltag zu hören war, belegen auch zufällige Aufzeichnungen. Ein Dokument aus dem 13. Jahrhundert aus einem Dorf bei Ragusa erwähnt eine Stimme, die in den Bergen „in albanischer Sprache“ rief.

Den alten Namen bewahrten die Auswanderer: die Arnauten oder Arvaniten in Griechenland und die Arbëresh in Süditalien. Im Land selbst wurden Arbën und Arbëria unter den Osmanen durch Shqipnia und Shqipëria abgelöst, und die Selbstbezeichnung lautete nun „shqiptar“.

Zwischen Ost und West im 11. und 12. Jahrhundert

Im 11. und 12. Jahrhundert lagen die albanischen Gebiete an einer Bruchlinie, um die Byzanz, Bulgarien, die Normannen aus Süditalien und Venedig kämpften. Das Große Schisma von 1054 spaltete auch Arbëria selbst: Der Norden wurde katholisch, der Süden blieb orthodox. Die Grenze zwischen den beiden Riten verlief ungefähr entlang des Shkumbin.

Die bulgarische Herrschaft über einen Teil der Gebiete der Arbër begann laut Lehrbuch Mitte des 9. Jahrhunderts. Sie endete 1018, als der byzantinische Kaiser Basileios II. Bulgarien unterwarf. Im selben Jahr ergab sich Berat kampflos den Byzantinern.

Dann kamen die Normannen. 1081 eroberten die Truppen Robert Guiskards und seines Sohnes Bohemund Vlora, Kanina, Orikum, Byllis, Butrint und Korfu und belagerten Durrës. Laut Lehrbuch gelang es ihnen nicht, die Stadt einzunehmen, denn die venezianische Flotte verteidigte sie. Einige Jahre später – das Lehrbuch spricht von drei Jahren – zog Guiskard aus Arbëria ab, doch die Normannen kamen wieder: Im Oktober 1107 fiel Bohemund erneut ein, und im Sommer 1185 landete abermals ein normannischer König an der Küste, der sich noch im selben Jahr nach Italien zurückzog. Diesen dritten Feldzug hält das Lehrbuch für den erfolgreichsten: Die Normannen nahmen Durrës ein, zogen die Via Egnatia entlang und eroberten Thessaloniki. Über den Normanneneinfall von 1081 schreibt auch Anna Komnene in der „Alexias“ und erwähnt dabei Arbanon.

Raszien und die Schwächung von Byzanz

Die Schwächung von Byzanz ermöglichte die Entstehung neuer Staaten: des Fürstentums Arbanon, des Despotats Epirus und des serbischen Staates Raszien.

Raszien löste Stefan Nemanja (1168–1196) aus der byzantinischen Herrschaft, der den Titel eines Großžupans von Raszien annahm. Raszien wurde zu einem der Nachbarn, die die Arbër bedrohten, und zugleich durch Heirat mit ihnen verwandt: Komnena, die Frau des Fürsten Dhimitër, war eine Tochter des serbischen Königs Stefan des Erstgekrönten und eine Enkelin Stefan Nemanjas.

Das Fürstentum Arbër als erster albanischer Staat

Um 1190 gründete der Archont Progon das Fürstentum Arbër (Arbanon) mit Kruja als Zentrum. Es gilt als erster albanischer Staat des Mittelalters. Bereits 1166 nennen die Quellen erstmals einen hochrangigen einheimischen Herrscher in Arbër – der erste Schritt auf dem Weg zum Fürstentum.

Das Gebiet des Fürstentums lag zwischen den Flüssen Mat und Shkumbin, ans Meer reichte es auf dem Abschnitt zwischen dem Mat und dem Kap Bishti i Pallës.

Auf Progon folgten seine Söhne Gjin (1198–1208) und Dhimitër (1208–1216). Unter Dhimitër erreichte das Fürstentum den Höhepunkt seiner Macht. 1210 schloss er einen Vertrag mit der Republik Ragusa (Dubrovnik), in dem er den ragusanischen Kaufleuten Frieden und zollfreien Handel zusicherte, und um 1208–1209 suchte er die Nähe zu Papst Innozenz III.

Bedroht wurde Arbër von drei Seiten:

  • vom serbischen Königreich Raszien,

  • vom venezianischen Besitz in Durrës,

  • vom Despotat Epirus.

Nach Dhimitërs Tod 1216 geriet das Fürstentum in Abhängigkeit vom Despotat Epirus, einem der byzantinischen Nachfolgestaaten. Die Herrschaft ging an Grigor Kamona über, danach an Golem. 1256–1257 gliederte das Kaiserreich Nikaia Arbër ein.

Das Despotat Epirus

Das Despotat Epirus. Nach dem Vierten Kreuzzug 1204 zerfiel Byzanz vorübergehend, und Venedig nahm Durrës ein. 1205 gründete Michael I. Komnenos Dukas im Süden das Despotat Epirus mit der Hauptstadt Arta, das zu einem der stärksten Nachbarn Arbërias wurde. 1230 schlugen die Bulgaren jedoch seinen Herrscher Theodor Komnenos Dukas bei Klokotniza, und das Despotat büßte an Macht ein.

Das Despotat entstand auf dem Gebiet des früheren Themas Nikopolis. Seinen Gründer Michael I. nennt das Lehrbuch auch Michael I. Angelos. Er dehnte seinen Besitz nach Norden über den Shkumbin aus, nahm Durrës ein und stieß im Süden bis zum Golf von Korinth vor. Michael I. kam in der Burg von Berat ums Leben – er wurde ermordet.

Die Herrschaft ging an seinen Bruder Theodor Angelos über, der für seinen Mut und seine Tatkraft bekannt war. 1224 nahm Theodor Thessaloniki ein und wurde später zum Kaiser gekrönt.

Das Königreich Albanien und die serbische Eroberung

Am 21. Februar 1272 wurde Karl I. von Anjou zum König von Albanien (Regnum Albaniae) ausgerufen. Grundlage war ein Vertrag mit dem albanischen Adel und den Bürgern von Durrës, das zur Hauptstadt wurde. An der Küste hielten sich die Anjou fast hundert Jahre.

Im Norden wurde unterdessen Serbien stärker. König Stefan Dušan nutzte einen Bürgerkrieg in Byzanz aus: 1343–1345 eroberte er den größten Teil der Gebiete der Arbër, 1348 stieß er bis nach Thessalien vor. 1349 erschien das Gesetzbuch Stefan Dušans.

Für die Arbër war die serbische Herrschaft hart:

  • Einheimische Anführer wurden verhaftet und enteignet.

  • Ihr Besitz ging an serbische Feudalherren.

  • Menschen wurden gewaltsam zur serbischen Orthodoxie bekehrt.

  • Slawische Namen verbreiteten sich.

Nach Dušans Tod 1355 zerfiel sein Reich rasch, und in den albanischen Gebieten stiegen einheimische Geschlechter auf.

Die Anjou und die Schlacht bei Berat

Wie kamen die Anjou auf den Balkan? Das Königreich Sizilien wurde im Mittelalter von drei Dynastien regiert: den Normannen (französisch), den Staufern (deutsch) und den Anjou (französisch). Nach dem Tod Manfreds von Hohenstaufen 1266 ging Sizilien an die Anjou über.

Ihr Königreich ins Landesinnere auszudehnen, gelang den Anjou nicht. 1281 brachte ihnen Byzanz in der Schlacht bei Berat eine schwere Niederlage bei. Danach wurde in Arbëria die byzantinische Herrschaft wiederhergestellt, und den Anjou blieben für einige Jahre nur die Küstenfestungen.

Die albanischen Fürstentümer des 14. Jahrhunderts

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts teilten einige wenige Fürstengeschlechter fast alle albanischen Gebiete unter sich auf. Am mächtigsten waren die Thopia in Durrës, die Balsha in Shkodra und die Muzaka in Berat. Die Fürstentümer hatten eigene Verwaltungsorgane, Symbole, Siegel und Münzen.

Nach 1355 entstanden im Norden die Fürstentümer der Thopia und der Balsha, im Süden die der Muzaka, Zenebishi, Losha und Shpata. Das Lehrbuch nennt auch weitere Geschlechter, die eigene Herrschaften errichteten: die Arianiti, Dukagjini und Kastrioti.

  • Thopia. Das Fürstentum Durrës gründete Tanush Thopia. Seine Blütezeit erlebte es unter Karl Thopia, der den Anjou 1368 Durrës abnahm.

  • Balsha. Die Balsha herrschten über Zeta und die Küste, ihr Verwaltungszentrum war Shkodra (etwa 1362–1421). Regiert wurde das Fürstentum von Balsha I. und seinen drei Söhnen Stracimir, Gjergj I. und Balsha II. Jeder verwaltete ein eigenes Gebiet, nach außen traten sie aber geschlossen auf. Durch Heiraten gelangten Berat und Vlora an die Balsha. Ihre Einnahmen stammten aus dem Zehnten, aus Zöllen, aus dem Salzhandel und aus Grundbesitz. Die Balsha erkannten die städtischen Statuten an und traten 1368 von der Orthodoxie zum Katholizismus über, was sie dem Papsttum und dem Westen näherbrachte. Auf ihrem Höhepunkt reichten ihre Gebiete von Bar (Tivar) bis Vlora. Mit der Einnahme von Durrës verbanden die Balsha ihre nördlichen und südlichen Besitzungen – das Lehrbuch nennt dies das größte mittelalterliche Herrschaftsgebilde auf dem Boden der Arbër. 1396 trat Gjergj II. Balsha Shkodra an Venedig ab und behielt Ulcinj und Bar.

  • Muzaka. Die Muzaka herrschten über Berat und die Myzeqe. Gegründet hatte das Fürstentum Andrea II. Muzaka, seine größte Ausdehnung erreichte es unter Teodor II. 1335 wurde der Besitz zum Despotat und bestand bis zur osmanischen Eroberung 1417.

Warum hielten die Fürstentümer nicht stand? Das Lehrbuch nennt drei Gründe: mächtige Nachbarn, innere Fehden und die Aufteilung der Besitzungen unter den Erben.

Die Schlacht von Savra. Am 18. September 1385 besiegten die Osmanen bei Lushnja Balsha II., der in der Schlacht fiel. Karl Thopia hatte sie zu Hilfe gerufen. Danach wurden die meisten einheimischen Herren Vasallen des Sultans. Die Dynastie Balsha erlosch 1421, als Balsha III. kinderlos starb.

Karl Thopia und das Fürstentum Durrës

Das Fürstentum der Thopia sah sich als Nachfolger des Fürstentums Arbanon. Es lag zwischen Mat und Shkumbin und reichte im Osten bis an die Besitzungen der Gropa (Dibra – Ohrid). Karl Thopia dehnte es vom Drin im Norden bis zum Seman im Süden aus und schloss dabei die Gebiete der Muzaka ein.

Karl Thopia stellte sich gegen die Herrschaft der Anjou (Neapels), nahm 1368 Durrës ein und suchte ein Bündnis mit Ungarn, später Rückhalt bei Venedig. Er führte die Titel „Herr des ganzen Landes Arbanon“, „Graf von Durrës“ und „Bürger Venedigs“ und besaß ein eigenes Wappen und eine eigene Kanzlei. Nach seinem Tod wurde das Fürstentum schwächer und zerfiel.

Unterdessen besetzte Venedig Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts eine Kette von Häfen und Festungen an der Küste von Budva bis zum Golf von Korinth; Durrës wurde 1392 venezianisch. Vlora und Kanina gehörten nicht zu dieser Kette.

Die Fürstentümer im Süden: Zenebishi und Shpata

Das Fürstentum Zenebishi lag im Tal des Drinos und umfasste Dropull, Delvina und einen Teil der Vagenetia (Çamëria). Sein Zentrum war Gjirokastra, das Johannes Kantakuzenos 1336 zum ersten Mal erwähnt. Der bekannteste Vertreter des Geschlechts war Gjin Zenebishi. 1418 griffen die Osmanen, die Carlo Tocco gerufen hatte, das Fürstentum Zenebishi an und unterwarfen es.

Noch weiter südlich lag das Fürstentum Shpata. Es umfasste Ätolien und Akarnanien bis zum Golf von Korinth und grenzte im Norden an Zenebishi. Regiert wurde es von Gjin Bua Shpata, der am 29. Oktober 1399 starb; die Chroniken nannten ihn einen mächtigen Mann und den Ruhm Arbërias.

Stadt und Land

Die mittelalterlichen Städte der Arbër bildeten zusammen mit ihrem Umland Kommunen, die sich selbst verwalteten, mit eigenen Statuten, eigenem Siegel und eigener Münze. Ein Adelsrat leitete die Stadt und wählte ihr Oberhaupt, den Konte (Graf).

Die Bevölkerung teilte sich in Adel und einfache Bürger, die Popolani. Die Handwerker schlossen sich in Zünften zusammen, die Kaufleute in Zünften und Bruderschaften.

Zur Stadt gehörten auch die umliegenden Dörfer: 1343 umfasste das Gebiet von Kruja 17 Dörfer. Laut Lehrbuch lebten im 14. Jahrhundert in Durrës etwa 25.000 Menschen.

Das mittelalterliche Shkodra war weit über Arbëria hinaus für seine Schwerter, seine Glockengießerei und seine Gold- und Silberarbeiten bekannt. Auf dem Land unterschied man drei Arten von Boden: die Bashtina, das Gemeindeland und das Kirchenland. Für den Kriegsdienst wurden Stratiotika und Pronoia vergeben. Abhängige Bauern hießen Paröken.

Die Bashtina war Privateigentum mit vollen Rechten – die einzige Art von Boden, die man kaufen oder verkaufen konnte.

Pronoia und Paröken

Die Pronoia war ein Stück Land mit mehreren Bauernwirtschaften, das der Kaiser für Dienste am Staat verlieh. Byzanz führte dieses System ein, um das Reich militärisch zu stärken. Die ersten Belege für Pronoien in Arbëria verbindet das Lehrbuch mit zwei Schenkungsurkunden von 1018 und 1020, mit denen der Kaiser einigen albanischen Bistümern Einkünfte übertrug.

Der Inhaber einer Pronoia, der Pronoiar, war verpflichtet, dem Kaiser zu dienen und auf eigene Kosten eine bestimmte Zahl von Reitern und Fußsoldaten zu stellen. Voller Eigentümer war er nicht: Die Pronoia durfte weder verkauft, verpachtet, verschenkt noch vererbt werden.

Die Bauern auf den Pronoien, die Paröken, zahlten Abgaben sowohl an den Staat als auch an den Pronoiar, in Geld und in Naturalien. Außerdem leisteten sie Frondienst, die Angaria; in manchen Gegenden Arbërias nahm sie zwei Tage pro Woche in Anspruch.

Häfen und Handel

Der Seehandel stützte sich auf die Hafenstädte Kotor, Bar (Tivar), Ulcinj, Shkodra, Lezha, Durrës, Vlora und Butrint. An den Flussmündungen entstanden Handelsplätze:

HandelsplatzFluss
ShirgjBuna
ShufadajaMati
BreguShkumbini
PirguSemani
SpinaricaVjosa

Große Feudalherren und der Schwarze Tod

Im 13. und 14. Jahrhundert sammelte sich der Boden in den Händen weniger. Im 14. Jahrhundert entzogen sich die großen Grundherren der Zentralgewalt: Sie bauten Burgen und Festungen, unterhielten eigene Truppen und vererbten ihr Land. So begann die Zeit der feudalen Fürstentümer.

Ein schwerer Schlag für das Land war das Jahr 1348. Der „Schwarze Tod“, der ganz Europa erfasste, traf auch die Städte der Arbër. Zur Pest kamen Erdbeben, Überschwemmungen und Brände.

Glaube, Kunst und die ersten Bücher auf Albanisch

Das Christentum gelangte schon im 1. Jahrhundert nach Illyrien und verbreitete sich nach dem 4. Jahrhundert weit; Glaubenszentren wurden Shkodra, Durrës und Nikopolis. Der Glaube trug Züge eines Volkschristentums. Das mittelalterliche Arbëria hinterließ Kirchen im byzantinischen, romanischen und gotischen Stil, Mosaiken, Ikonen auf Holz, meisterhafte Stickereien und die ältesten Zeugnisse albanischer Schriftlichkeit.

Aufgeschlagener Kodex auf purpurnem Pergament mit silbernen Zeilen, daneben Feder und Kerze auf einem Tisch in einer Klosterzelle
Purpurnes Pergament und Silbertinte: So entstanden die Kodizes von Berat.

Die kirchliche Kunst stand stark unter dem Einfluss Konstantinopels und Roms. Wand- und Bodenmosaiken führten die antike Tradition fort. Bei den Festungen gab es sowohl runde als auch viereckige Anlagen. Schulen waren an die Kirchen angeschlossen, und die Literatur war überwiegend religiös: Kodizes und Heiligenviten.

Neben der Kirchenarchitektur im byzantinischen, romanischen, gotischen und gemischten Stil ist auch die Profanarchitektur erhalten: Festungen und Wohnhäuser der einfachen Leute.

Fresken, Mosaiken und Ikonen

Die Kirchenmalerei Arbërias umfasst Mosaiken, Fresken und Ikonen. Die bekanntesten frühchristlichen Mosaiken schmücken die Basilika von Lin und das Baptisterium von Butrint (6. Jahrhundert; im Lehrbuch Albas: 7. Jahrhundert).

Das Fresko ist erstmals im 9. bis 10. Jahrhundert belegt und erlebte im 13. und 14. Jahrhundert eine Blüte; besonders herausragend sind die Fresken der Kirche in Rubik. Ikonen wurden auf Holz gemalt; zu den späten Meisterwerken gehört die Ikone „Taufe Christi“ des Meisters Onufri (16. Jahrhundert).

Aus zwölf Jahrhunderten sind etwa 100 Kodizes erhalten. Dazu gehören die Kodizes von Vlora, Korça, Shkodra und Përmet, die berühmtesten aber sind Beratinus 1, der „Purpurkodex“, und Beratinus 2, der „Goldene Kodex“.

Kirche und Schulen

Kirchenschulen werden im 13. und 14. Jahrhundert in den Küstenstädten erwähnt – in Ulcinj, Kotor, Durrës, Shkodra, Bar und anderen.

Sprachen der Verwaltung und der Kirche waren Griechisch, Latein und teilweise Slawisch. Die Fürsten wählten die Sprache je nach Lage: Karl Thopia und die Balsha benutzten alle drei.

Die wichtigsten Zeugnisse

  • Kodizes von Berat. Der erste (Beratinus 1) ist ein griechisches Evangeliar aus dem 6. Jahrhundert, mit Silbertinte auf purpurnes Pergament geschrieben. Der zweite (Beratinus 2) stammt aus dem 9. Jahrhundert, hier schrieb man mit Goldtinte, ebenfalls auf purpurnem Pergament. 2005 wurden die Kodizes in das UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen.

  • Epitaph von Glavenica. Diese meisterhafte mittelalterliche Stickerei entstand 1373 im Auftrag von Gjergj Arianiti.

  • Taufformel vom 8. November 1462. Sie ist das älteste bekannte schriftliche Dokument in albanischer Sprache. Verfasst hat sie der Erzbischof von Durrës, Pal Engjëlli.

  • Gjon Buzukus Meshari (Messbuch) von 1555. Das erste gedruckte Buch auf Albanisch ist im gegischen Dialekt geschrieben. Es verwendet lateinische Buchstaben, ergänzt um einige Zeichen aus dem kyrillischen und dem griechischen Alphabet. Das Buch hat 188 Seiten.

Dass die Albaner schon lange vor diesen Zeugnissen in lateinischer Schrift schrieben, verrät eine Notiz von 1332: Der Dominikanermönch Guillaume Adam (Brocardus) hielt fest, dass sie in ihren Büchern lateinische Buchstaben verwenden. Wie aus den verschiedenen Schriftsystemen 1908 das heutige Alphabet hervorging, erklären wir im Abschnitt über das albanische Alphabet.

Albanisch in Aufzeichnungen des 15. Jahrhunderts

Albanisch blieb lange eine Sprache des Alltags: Schriftliche Dokumente in dieser Sprache gibt es vor dem 15. Jahrhundert nicht. Im 15. Jahrhundert ist es dann gleich in beiden Dialekten und in zwei Alphabeten belegt, dem lateinischen und dem griechischen.

  • Die „Osterperikope“ (Ende des 15. Jahrhunderts) ist im südlichen Dialekt mit griechischen Buchstaben aufgezeichnet.

  • Das „Wörterbuch“ Arnold von Harffs (1496) enthält albanische Wörter, Redewendungen und Zahlen mit deutscher Übersetzung.

  • Um 1510 schrieb Gjon Muzaka auf Italienisch die „Geschichte des Hauses Muzaka“ über die Feudalfamilien Arbërias.

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Häufige Fragen

Welcher Staat gilt als erster albanischer Staat?

Das Fürstentum Arbër (Arbanon) mit Kruja als Zentrum. Der Archont Progon gründete es um 1190. Den Höhepunkt seiner Macht erreichte es unter seinem Sohn Dhimitër in den Jahren 1208–1216, bevor das Kaiserreich Nikaia es 1256–1257 eingliederte.

Woher kommt das Wort „Arbëria“?

So hieß das Land im Mittelalter, seine Bewohner nannte man Arbër. In den Quellen tauchen diese Namen seit dem 11. Jahrhundert auf. Auf dieselbe Wurzel gehen die Namen der albanischen Gemeinschaften in Italien und Griechenland zurück, die Arbëresh und die Arvaniten. Die heutige Selbstbezeichnung shqiptarë (Albaner) setzte sich erst später durch.

Was war das Königreich Albanien von 1272?

Ein Königreich unter Karl I. von Anjou, der am 21. Februar 1272 zum König von Albanien ausgerufen wurde. Grundlage war ein Vertrag mit dem albanischen Adel und den Bürgern von Durrës, das auch die Hauptstadt war. Das Königreich beschränkte sich im Wesentlichen auf die Küste.

Was geschah in der Schlacht von Savra?

Am 18. September 1385 besiegten die Osmanen bei Lushnja den Fürsten Balsha II., der in der Schlacht fiel. Gerufen hatte sie Karl Thopia, Balshas Rivale. Nach der Schlacht erkannten die meisten albanischen Herren den Sultan als Lehnsherrn an.

Was ist der älteste Text auf Albanisch?

Der älteste bekannte Text ist die Taufformel von 1462, verfasst vom Erzbischof von Durrës, Pal Engjëlli. Das erste gedruckte Buch ist Gjon Buzukus Meshari (Messbuch) von 1555.

Was ist eine Pronoia?

Ein Stück Land mit Bauernwirtschaften, das der byzantinische Kaiser für geleistete Dienste verlieh. Der Pronoiar stellte auf eigene Kosten Reiter und Fußsoldaten, durfte die Pronoia aber weder verkaufen noch vererben. Die Bauern auf den Pronoien nannte man Paröken.

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Quellen

  1. Britannica: Albania — History
  2. Wikipedia: Principality of Arbanon
  3. Wikipedia: Kingdom of Albania (medieval)
  4. Wikipedia: Codex Purpureus Beratinus
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